Tödliche Strände

Playa Veracruz: Der Strand, der eine Zivilisation auslöschte

Am 13. August 1521 dringen spanische Konquistadoren in die aztekische Hauptstadt Tenochtitlán ein und töten jeden. Nur zwei Jahre zuvor waren die Spanier als Gäste von den Azteken aufgenommen worden.

© iStock/AlbertoLoyo

Als der Spanier Hernán Cortés vor 500 Jahren, am 21. April 1519, an der heutigen Playa Veracruz an Land geht, ist seine Mission eigentlich schon erfüllt. Der Auftrag des spanischen Vizekönigs, der auf Kuba residierte, sah nur die küstennahe Erkundung vor. Hier soll ein Volk leben, das Menschenopfer praktiziert – und unfassbaren Reichtum besitzt. Doch Cortés denkt gar nicht daran zu gehorchen: Die Legenden über die Schätze dieser Azteken haben ihn in ihren Bann gezogen. 

Selbst dem Vizekönig war dieser Eifer zu viel, er wollte Cortés entlassen – doch dieser floh vorher mit seinen Männern aus Kuba. Nun gibt es für Cortés keinen Weg zurück, an diesem Strand entscheidet sich sein Schicksal. Und er muss nicht lange warten, seine Ankunft ist nicht unbemerkt geblieben. Der aztekische König Moctezuma II. schickt den Konquistadoren eine Gesandtschaft mit kostbaren Geschenken, um die Spanier zur Umkehr zu bewegen. 

Doch sein Plan geht fürchterlich schief. Jetzt weiß Cortés, dass die Legenden wahr sind. Irgendwo im Landesinneren muss eine Stadt aus Gold geben, und er wird sie erobern – koste es, was es wolle. Doch was Cortés noch nicht weiß: Als er sich mit rund 300 Männern in den Dschungel aufmacht, um die legendäre Stadt Tenochtitlán zu finden, hebt der Vizekönig auf Kuba bereits eine kleine Flotte mit mehr als 1.000 Soldaten aus, um den abtrünnigen Cortés dingfest zu machen. 

Besetzung der aztekischen Hauptstadt

Am 8. November 1519 erreicht Cortés die aztekische Hauptstadt – und ihr Anblick ist überwältigend. Tenochtitlán ist auf mehreren Inseln im Texcoco-See erbaut worden. Zu der Zeit ist Tenochtitlán mit rund 150.000 Einwohnern eine der größten Städte der Welt. Cortés erkennt schnell, dass Moctezuma II. der Schlüssel zur Herrschaft über die Azteken ist: Er setzt Moctezuma II. unter Druck, indem er spanische Soldaten im Palast einquartiert. So regiert Cortés faktisch über das Volk der Azteken – bis er von der Streitmacht des Vizekönigs erfährt. 

Sofort verlässt er die aztekische Hauptstadt mit dem Großteil seiner Soldaten und indianischen Kriegern, um die Truppen des Vizekönigs am Strand bei einem Überraschungsangriff zu besiegen – die gefangenen Truppen laufen beim Anblick der aus Tenochtitlán mitgebrachten Reichtümer sofort zu Cortés über. Doch als dieser mit einer mittlerweile auf über 1.000 Mann angewachsenen Armee nach Tenochtitlán zurückkehrt, erlebt er eine Überraschung. Sein Stellvertreter, Pedro de Alvarado, hatte ein Massaker an den Azteken befohlen – 3.000 Menschen wurden bei einem Fest hinterrücks ermordet. Es kommt zum offenen Krieg. 

Unterstützt von Tausenden Kriegern rivalisierender Völker beginnt Cortés im April 1521 mit der Belagerung der aztekischen Hauptstadt. Es ist ein kurzer Kampf: Die Azteken kämpfen nicht nur gegen fortschrittliche Waffen. Sie kämpfen auch gegen einen unsichtbaren Feind: die von den Spaniern eingeschleppten Pocken. Am 13. August 1521 machen die Konquistadoren die Stadt dem Erdboden gleich, die letzten Bewohner Tenochtitláns werden abgeschlachtet. Das Volk der Azteken wird unter einer neuen Stadt begraben, die so groß wird, dass sogar der gewaltige Texcoco-See darunter verschwindet: Mexico City.

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