Seeräuber - Teil 1

Piraten: Schrecken der Meere

Sie kaperten mit Schätzen beladene Schiffe, plünderten ganze Städte oder umsegelten sogar die Welt: Verwegene Freibeuter wie Klaus Störtebeker und Francis Drake wurden zur Legende. Doch wie sah das Piratenleben einst wirklich aus?

Pirat

© Imago/United-Archives

Der Erfolg von „Fluch der Karibik“ hat es gezeigt: Der Mythos von Abenteuer und Freiheit des Piratenlebens fasziniert bis heute. Doch das romantische Bild vom Freibeutertum vergangener Jahrhunderte trügt. Das Leben an Bord war von harter Arbeit, strengen Regeln, schlechtem Essen, drangvoller Enge und katastrophalen hygienischen Verhältnissen geprägt. Trotzdem heuerten viele Seeleute auf Piratenschiffen an – zu verlockend war die Aussicht auf reiche Beute und Abenteuer. Und manche Kapitäne und Anführer wurden schon zu Lebzeiten zur Legende.

Piraten - Traumjob oder Schinderei?

Über 90 Prozent aller Piraten hatten ihr Handwerk bei den Handels- oder Kriegsmarinen gelernt. Sie waren entweder arbeitslos geworden oder hatten sich direkt nach der Kaperung ihrer Schiffe auf See den Seeräubern angeschlossen. Männer mit besonderen Kenntnissen – wie Zimmerleute oder Ärzte – mussten meist zum Anschluss gezwungen werden. Die Übrigen – entflohene Diebe, Deserteure, Meuterer, entlaufene Sklaven, Adlige und vereinzelt auch Frauen – entschlossen sich für das Piratenleben, um ihr Glück und vor allem Freiheit und Reichtum zu finden.

Stützpunkte in der Karibik

An Land gingen viele Piraten nur an den eigenen Stützpunkten. Dorthin zogen sie sich nach Kaperfahrten zurück oder sammelten sich für weitere Raubzüge. Besonders in der Karibik mit ihren zahlreichen Inseln wimmelte es von Piraten-Nestern oder gar Seeräuber-Staaten, in denen teilweise eigene Gesetze herrschten. Besonders berüchtigt waren im 17. Jahrhundert die vor Venezuela gelegene Insel La Tortuga und die Hafenstadt Port Royal auf Jamaika.

Segeln, Reparieren, Warten

Die wichtigste Arbeit an Bord bestand darin, das Schiff auf dem richtigen Kurs zu halten. Zum Navigieren benutzte man Hilfsmittel wie Kompass oder Seekarten und als Orientierungspunkte Sonne und Sterne. Ständig mussten die Segel gesetzt oder eingeholt werden. Da Wind und Wetter sowie zahlreiche Gefechte ihre Spuren hinterließen, gab es immer wieder etwas zu erneuern. Vor allem Taue, Segel, aber auch Teile des Rumpfes mussten regelmäßig repariert und überholt werden. Allerdings gab es zwischen den Überfällen häufig lange Phasen des Wartens. Die vertrieben sich viele Piraten mit ausgiebigen Trinkgelagen, Musik, Gesang, Würfel- und Kartenspielen.

Regelkatalog für die Mannschaft

Der Kapitän eines Piratenschiffes wurde von der Mannschaft gewählt und konnte von dieser auch wieder abgesetzt werden. Die Mannschaft bestimmte auch mit, wohin die Reise gehen und welches Schiff gekapert werden sollte. Dennoch kam es während der langen Zeit an Bord unter den beengten Verhältnissen immer wieder zu Streitereien und Meutereien. Einige weitsichtige Kapitäne stellten deshalb vor Reisebeginn einen Regelkatalog auf, den jedes Besatzungsmitglied unterzeichnen musste: Vorschriften für das Leben an Bord, Strafen für diejenigen, die dagegen verstießen, und Bestimmungen, die das Aufteilen der Beute regelten. So bekam jeder, der im Kampf ein Körperteil verlor, einen Extraanteil von der Beute. Diejenigen jedoch, die während einer Schlacht vom Schiff desertierten, wurden hingerichtet.

Seefahrerkrankheit Skorbut

Da auf den langen Schiffsreisen frische Nahrung schnell verdarb, war die Verpflegung wenig abwechslungsreich. Hauptsächlich bestand sie aus Zwieback und Dörrfleisch. Das Trinkwasser in den Holzfässern war schnell von Algen und Würmern verunreinigt, so dass oft nur der Rum gegen den Durst blieb. Da der Nahrung Vitamine fehlten, litten viele Seeleute an der Mangelerkrankung Skorbut. Auf den Schiffen war es immer sehr feucht, ein perfektes Umfeld für Ungeziefer, das sich überall an Bord ausbreitete. Maden, Würmer oder Ratten waren aber nicht nur eine Gefahr für die Vorräte, sie übertrugen auch gefährliche Krankheiten wie die Pest.

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