Wissenschaft

Parasiten des Menschen: Läuse gab es bereits bei den Dinosauriern

Ob Läuse, Zecken oder andere Plagegeister: Parasiten des Menschen verursachen Juckreiz und in einigen Fällen sogar Krankheiten. Laut Forschern haben sie jedoch maßgeblich die Evolution beeinflusst.

© iStock-Jovanmandic

Ihre Überlebenstaktik ist so alt wie das Leben selbst – die Rede ist von Parasiten des Menschen. Flöhe, Zecken, Läuse und Nissen sind für den Menschen lästige Plagegeister und übertragen manchmal sogar Krankheiten. Darüber hinaus sind sie jedoch noch weit mehr – nämlich die „dunkle Materie der Biologie“. Was bedeutet dies?

Was sind Parasiten?

Unter einem Parasiten versteht man einen Schmarotzer, der auf Kosten anderer lebt. Der Begriff stammt ursprünglich von dem griechischen Wort „parasitos“ und bedeutet so viel wie „Beiesser“. Der Parasit raubt Nahrung von einem anderen Organismus, dem sogenannten Wirt, und schädigt diesen dabei häufig. Auch der Mensch ist Wirt für eine Vielzahl unterschiedlicher Parasiten. Läuse machen es sich beispielsweise gerne auf der Kopfhaut des Menschen gemütlich und schlürfen dort genüsslich deren Blut. Für den Menschen ist das eher weniger angenehm. Läuse übertragen zwar keine Krankheiten, die kleinen Blutsauger sorgen jedoch für starken Juckreiz und verbreiten sich rasend schnell, vor allem wo Kinder ihre Köpfe zusammenstecken. Als Nissen werden sowohl die Läuseeier als auch die leeren Eihüllen bezeichnet. Eine Kopflaus-Behandlung raubt vor allem vielen Eltern die letzten Nerven, denn erst wenn alle Läuse und Nissen aus dem Haar entfernt wurden, ist der Kopf „lausfrei“.

Spiegel der Vergangenheit

So nervig Läuse und Nissen im Alltag auch sein mögen, für Forscher sind Läuse und Nissen wichtige Zeugen der Evolutionsgeschichte, wie britische und amerikanische Forscher in den "Biology Letters" der Royal Society schreiben. Die Forscher gehen davon aus, dass es sogar weit vor den Dinosauriern viele verschiedene solcher Schmarotzer gab. „Läuse sind lebende Fossilien", erklärt Vincent Smith vom Natural History Museum in London. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass nur wenige Säugetiere und Vögel den Meteoritenschlag vor rund 65 Millionen Jahren überlebten. Erst danach, so die Annahme, hätten sich viele neue Arten aus einer Handvoll Spezies entwickelt. Die Erbgutuntersuchung von Läusen gibt neue Erkenntnisse: Aus den Abstimmungslinien von Läusen schlussfolgern die Wissenschaftler, dass auch viele Vögel und Säuger die globale Katastrophe am Ende der Kreidezeit überlebt haben müssen. Denn einige Lausarten gab es bereits in der frühen oder mittleren Kreidezeit vor 130 bis 115 Millionen Jahren. Heute gibt es tausende verschiedene Arten von Läusen, wobei diese unterschiedlichen Lebewesen befallen. Am bekanntesten sind aber die Kopfläuse (Pediculus humanus capitis), die zu den Parasiten des Menschen zählen. 

Parasiten des Menschen: Der evolutionäre Wettstreit

Parasiten wurden lange Zeit unterschätzt. Kein Wunder, sie können ja nicht eigenständig existieren, sondern nur durch das Klammern an andere Lebewesen überleben. Interessanterweise machen die Forscher aber darauf aufmerksam, dass Parasiten lange Zeit zu Unrecht als schwach angesehen wurden. Denn sie zwingen andere Lebewesen dazu, sich anzupassen. Die Wirte müssen immer neuere Strategien entwickeln, um den Parasiten auszuweichen. Nur die widerstandsfähigsten setzten sich in der Fortpflanzung durch. Dr. Zürich Hempel von der Universität in Zürich erklärt beispielsweise die Streifen des Zebras auch damit, dass diese eine Schutzstrategie gegen Parasiten sind. Die Tsetsefliege, Überträger der Schlafkrankheit, wird von den Streifen verwirrt und hat Schwierigkeiten, auf den Zebras zu landen. 

Auch Parasiten des Menschen haben starken Einfluss auf dessen genetische Anpassung, wie Wissenschaftler nachweisen konnten. Parasiten können demnach wichtige Rückschlüsse auf die Entwicklung des Menschen und die Entstehung von Krankheiten geben. Die britische Forscherin Valerie Curtis konnte außerdem einen Zusammenhang zwischen Gefühlen und Parasiten des Menschen erkennen. Ihre These ist, dass Ekel ein Gefühl ist, um den Menschen vor Krankheiten durch Parasiten zu schützen. Deswegen hätten wir zum Beispiel eine natürliche Abneigung gegenüber offenen Wunden oder Menschenmassen, wo sich häufig Läuse und Nissen tummeln. 

Wegfall von Parasiten des Menschen kann zu Problemen führen

Dass sich Parasiten am Menschen bereichern, ist eine Tatsache. Wenn es die Plagegeister nicht mehr gibt, müsste das folglich gut für den Menschen sein. Die Ausrottung von Parasiten hat jedoch unbedachte Folgen: Seit immer mehr Medikamente die Würmer beim Menschen abtöten können, nehmen dafür Krankheiten wie Morbus Crohn zu. Auch leiden immer mehr Menschen an Allergien, seitdem sich das Immunsystem nicht mehr so stark gegen Parasiten wehren muss. Dies wirft die Frage auf, welche Antworten die moderne Medizin auf den Wegfall von Parasiten finden muss. Die ungeliebten Plagegeister haben also auch einen Nutzen. Sie trainieren das Immunsystem und schützen gegen Allergien und Autoimmunerkrankungen. Vielleicht tröstet uns das, wenn wir das nächste Mal Läuse und Nissen aus dem Haar kämmen – vielleicht aber auch nicht. 
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