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Bergsteigen

Mount Everest: Wie ein Imker den höchsten Berg der Welt bezwang

Er war der erste Mensch auf dem höchsten Berg der Erde: Vor über sechzig Jahren betrat Edmund Hillary den Gipfel des Mount Everest. Wie schaffte er das, woran so viele vor ihm scheiterten?

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Dass Edmund Hillary einmal der berühmteste Mann seines Landes werden würde, hätte er sich nie träumen lassen. Dass man sein Gesicht auf Geldscheine drucken, Straßen und Plätze nach ihm benennen würde, Königin Elizabeth II. ihn zum Ritter schlagen würde. Und dass das Time-Magazine ihn zu einer der hundert einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts küren würde. Denn Edmund Hillary war, so fand er selbst, nur ein einfacher Mann. Ein Bienenzüchter aus Neuseeland. Nur eben mit einem besonderen Hobby: Bergsteigen. 

Der Traum vom Gipfel

Es ist 1953, und der Mount Everest ist das letzte große Ziel auf dieser Erde. Der Nordpol erreicht, der Südpol ebenso – nur der höchste Berg der Erde ist noch immer nicht bezwungen. Neunzehn Jahre zuvor war eine britische Truppe gescheitert; die beiden Bergsteiger George Mallory und Andrew Irvine waren dabei ums Leben gekommen. Ob einer von ihnen vor seinem Tod den Gipfel erreichte, weiß niemand. Großbritannien aber hatte seitdem nicht aufgegeben: Sieben weitere Expeditionen wurden zum Mount Everest entsendet. Und auch die Schweiz hatte ihr Glück versucht. Im Gegensatz zu Großbritannien bekam sie aber nur die Erlaubnis, es von der Südseite des Berges zu versuchen – ein bis dahin völlig unbekanntes Terrain.

Im fernen Neuseeland interessierte sich auch Edmund Hillary für den Mount Everest. Der 33-Jährige hatte das Bergsteigen immer geliebt und hatte viele knifflige Routen in den neuseeländischen Alpen gemeistert. Einmal, 1951, hatte er bereits an einer Erkundungstour zum Mount Everest teilgenommen. Auch hatte er schon versucht, den Cho Oyu zu erklimmen, den sechsthöchsten Berg der Welt. Er liegt gerade einmal zwanzig Kilometer vom Mount Everest entfernt. Dann aber, 1953, erhält er tatsächlich Einladung zu einer Gipfelexpedition. Diese wird von Oberst John Hunt geleitet, der generalstabsmäßig an die Aufgabe heran geht. Er lässt Sauerstoffflaschen in Unterdruckkammern der Royal Air Force testen und Zelte im Windkanal auf ihre Sturmfestigkeit überprüfen. Hillary, der einfache Mann, der Imker aus Neuseeland, sagt zu, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Nicht weil er ein Held werden will – sondern einfach, weil ihm das Bergsteigen so viel Spaß macht. 

Das Ziel vor Augen

Vielleicht ist es diese unerschrockene Zuversicht, dieser Optimismus, die ihn dann doch zum Held machen. Auch wenn es zunächst so aussieht, als ob zwei andere Teilnehmer der Truppe die Lorbeeren einheimsen. Tom Bourdillon und Charles Evans schaffen es am 26. Mai bis zum Südgipfel in 8.750 Metern Höhe. Dann jedoch macht ihnen die Erschöpfung zu schaffen, sie müssen umkehren. Erst drei Tage später darf Edmund Hillary den Aufstieg wagen. Begleitet wird er von dem Sherpa Tenzing Norgay. Dieser kennt die Gegend um den Mount Everest wie seine Westentasche, seit seinem 21. Lebensjahr hat er als Träger Expeditionen begleitet. Einmal ist er dabei fast bis zum Südgipfel vorgedrungen. Am frühen Morgen des 29. Mai 1953 brechen die beiden auf in die Todeszone.
 
Das schwerste Stück auf dem Weg zum Mount Everest sind die letzten hundert Meter zum Gipfel. Bis dahin ist die Route ohne Klettertechnik machbar. Dann aber ragt eine zwölf Meter hohe Steilwand auf, in einem Winkel von siebzig Grad – ein scheinbar unbezwingbarer Pass mit einem Panzer aus vereistem Schnee. Hillary, der eigentlich gar kein Extremkletterer ist, nimmt sie dennoch in Angriff. Einfach so – ohne lange nachzudenken. Dabei hätte ihn ein falscher Schritt dreitausend Meter in die Tiefe reißen können. Später wird man den gefährlichen Felsen "Hillary Step" taufen. Danach sind es nur noch wenige Höhenmeter auf dem Grat. Um 11.30 Uhr stehen er und Tenzing Norgay gemeinsam auf dem Dach der Welt. Fassungslos fallen sie sich in die Arme. Und der Mount Everest, der "dritte Pol" der Erde, ist endlich bezwungen. Tenzing Norgay, der seinen genauen Geburtstag nicht kennt, wird ihn später an diesem Datum feiern.

Eine Leistung vieler

Obwohl Hillary einige Schritte vor Tenzing Norgay geht, beteuern die beiden später, gemeinsam den Gipfel erklommen zu haben. "Wir haben es dem Bastard gezeigt" – das sind die Hillarys erste Worte nach dem Abstieg. Er und Norgay halten auch Ausschau nach den Leichen von George Mallory und Andrew Irvine, der ersten Gipfelexpedition. Doch sie können nichts finden. Edmund Hillary wird später immer wieder betonen, dass der Sieg über den Gipfel eine Teamleistung war, nicht der Erfolg einzelner. Ohne die beiden Schweizer Expeditionen, heute von vielen vergessen, wäre zum Beispiel der leichtere Weg von Süden nicht erforscht gewesen.
 
Tenzing Norgay stirbt 1986 in Indien; Edmund Hillary im Januar 2008 im neuseeländischen Auckland, der Stadt, in der er schon geboren worden war. Trotz aller Ehre, die ihm nicht nur in seinem Heimatland zuteilwurde, blieb er bescheiden. Seinen plötzlichen Ruhm nutze er, um sich für das Volk der Sherpa einzusetzen, Schulen, Brücken und Krankenhäuser zu bauen. Und er behielt seine Ehrfurcht vor dem höchsten Berg der Erde: Bis zu seinem Tod setzte er sich dafür ein, dass der Mount Everest nicht zum Freizeitsportort für die Touristen verkommt, dass ihm seine geheimnisvolle Aura erhalten bleibt.
Dieser letzte Erfolg jedoch bleibt Edmund Hillary verwehrt. Nicht einmal vier Monate nach seinem Tod wird bereits die olympische Fackel zum Gipfel getragen – von Zuschauermassen bejubelt und vom Fernsehen begleitet.
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