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Geschichte

Menschenfleisch im Hungerwinter: Erste Siedler in Amerika waren Kannibalen

Untersuchungen von Knochen aus dem 17. Jahrhundert offenbaren Schauriges: Aus der Not heraus wurden die ersten dauerhaften englischen Siedler in Amerika zu Kannibalen. Der Hungerwinter 1609/10 führte die Menschen damals offenbar zum blutigen Tabubruch.

© imago-robertharding

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Die ersten dauerhaften englischen Siedler in Amerika sind aus der Not heraus zu Kannibalen geworden. Das berichtet das renommierte US-Forschungsinstitut Smithsonian nach der kriminaltechnischen Untersuchung von Knochen aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurden im heutigen Bundesstaat Virginia gefunden. Nach der Analyse aßen die frühen Kolonisten im Hungerwinter 1609/1610 ein vierzehn Jahre altes Mädchen auf. Axt- und Werkzeugspuren an ihrem Schädel und an ihrem Schienbein ließen keinen anderen Schluss zu, sagen die Forscher. Die Knochen wurden in Jamestown ausgegraben, der ersten dauerhaft besiedelten Kolonie Nordamerikas. Die genaue Todesursache des „Jane“ genannten Mädchens habe nicht mehr festgestellt werden können, weil nur ein Zehntel ihrer Knochen gefunden wurde, heißt es im Bericht. Mord komme jedoch nicht infrage. Vielleicht sei das Mädchen eines natürlichen Todes gestorben.

Hunger, Not und Verzweiflung

Jamestown war 1607 von 104 englischen Siedlern gegründet worden – dreizehn Jahre bevor die Pilgerväter im heutigen Massachusetts landeten. Doch nur 38 der frühen Kolonisten in Virginia überlebten die ersten neun Monate in der Neuen Welt. Die übrigen starben an Krankheiten und vergifteten sich möglicherweise auch durch ihr Trinkwasser. Vor allem aber hungerten sie, weil sie mitten in einer der schwersten Dürren seit Jahrhunderten ankamen. Ohne die Hilfe der Indianer wäre die Kolonie wohl sofort untergegangen. Der harte Winter 1609/1610 raffte dann noch einmal fast alle übrigen Kolonisten dahin. Die Siedler hatten kaum Vorräte durch die Dürre, dazu kamen Feindseligkeiten mit den Indianern. Einer der Anführer der Kolonie, George Percy, überlebte. Neue Siedler aus England kamen an und füllten die Lücken.

© imago-ZUMA-Press

Erst Pferde, dann Mäuse, dann Menschen …

Sechzehn Jahre später erinnerte sich Percy, dass die verzweifelten Menschen im Hungerwinter 1609/1610 erst die Pferde, dann Hunde, Ratten und Mäuse und letztlich selbst ihre Stiefel gegessen hätten. Ob es auch Kannibalismus gab, wird seit Jahrzehnten unter Wissenschaftlern diskutiert. Nach Ansicht des Smithsonians ist die Frage durch die Untersuchung der Funde nun eindeutig beantwortet. „Die freigelegten Knochen haben ungewöhnliche Spuren von Schnitten und Hieben, die Versuche, Unsicherheit und den völligen Mangel an Erfahrung beim Schlachten von Tieren zeigen“, sagte Anthropologe Douglas Owsley. „Der klare Vorsatz war aber, den Körper zu zerlegen, das Gehirn zu entnehmen und das Fleisch vom Gesicht zu entfernen und zu essen.“ Die Menschen seien verzweifelt gewesen. „Jedes verfügbare Fleisch wurde gebraucht.“

Tödliche Schläge auf den Hinterkopf

„Es gab vier Schläge auf den Hinterkopf, der stärkste von ihnen spaltete den Schädel“, ergänzte Owsley. Dann sei vermutlich mit einem Messer ein Loch gebohrt worden, um das Hirn zu entnehmen. Anscheinend wurden Gehirn, Zunge, Wangen und Beinmuskeln gegessen. „Das Gehirn vermutlich als erstes, weil es sich so schnell nach dem Tode zersetzt.“ Es gebe aber keinen Hinweis auf Mord: „Ich glaube nicht, dass sie das Mädchen getötet haben“, sagte der Wissenschaftler. „Sie waren einfach so verzweifelt, so in Not, dass sie keine Alternative sahen.“
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