Wetter

Lebensgefährliches Hobby: Wenn Menschen Stürme jagen

Sie jagen Gewitterfronten hinterher, drehen atemberaubende Videos von Tornados – und bringen sich dabei in große Gefahr: Sturmjäger. Doch es geht nicht nur um spektakuläre Bilder oder einen Adrenalinkick. Die Daten helfen immer wieder, Menschenleben zu retten.

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Wie groß die Gefahr ist, in die sich die Sturmjäger begeben, stellte der Tod des US-Amerikaners Tim Samaras Anfang Juni 2013 unter Beweis. Gemeinsam mit seinem Sohn und einem weiteren Crew-Mitglied war er einem verheerenden Tornado im US-Bundesstaat Oklahoma auf den Fersen – und kam durch diesen ums Leben. Kurz zuvor hatte er Anwohner noch via Twitter gewarnt, sie sollten das Wetter im Auge behalten und gut auf sich aufpassen. Samaras galt zwar als sehr vorsichtig, doch Tornados sind unberechenbar.
 
Der Tod von Samaras erschütterte die Sturmjäger-Szene in den USA bis in Mark. Der 45-jährige galt als Koryphäe und arbeitete für renommierte Auftraggeber wie den Discovery Channel und die National Geographic Society. Selbst die US-Regierung zählte zu seinen Kunden – denn Samaras lichtete Superzellengewitter und Tornados nicht nur ab, sondern sammelte auch wissenschaftliche Daten über die Stürme. Entgegen der landläufigen Meinung sind Sturmjäger wie er nicht zwangsläufig nur auf der Suche nach einem Adrenalinkick und möglichst atemberaubenden Aufnahmen. Sie können vielmehr wichtige Informationen über die lokale Entwicklung von Unwettern liefern – Daten, über die Wetterdienste in dieser Schnelligkeit und Genauigkeit nicht verfügen. So ermöglichen Meldungen von Sturmjägern detailliertere und frühere Unwetterwarnungen, die mitunter Leben retten. Selbst bei schweren Sturmfronten mit Hagelschlag oder Tornados können schon wenige Minuten Vorwarnzeit ausreichen, damit sich gefährdete Personen noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Wichtige Daten für Wetterdienste

Für Wetterdienste ist die Zusammenarbeit mit Sturmjägern und anderen privaten Wetterbeobachtern daher sehr wichtig. Sie stellen den Diensten Informationen zur Verfügung, die diese mit ihren Wetterstationen, -radargeräten und -satelliten nicht erfassen können – beispielsweise über die Größe von Hagelkörnern oder das Entstehen eines Tornados.
 
Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) nutzt solche Daten und kooperiert zu diesem Zweck mit der Organisation „Skywarn Deutschland e.V.“. Wenn deren zertifizierte „Spotter“ ein Unwetter beobachten, informieren sie den DWD mittels eines eigenen Warnsystems. Der DWD legt allerdings Wert darauf, dass nur speziell geschulte Beobachter zum Einsatz kommen und bildet diese gemeinsam mit Skywarn Deutschland aus. Mittlerweile kann so schon auf ein Netz von mehreren hundert solcher Spotter zurückgegriffen werden. Sturmjäger machen dabei lediglich einen kleinen Teil der Wetterbeobachter aus; lokale Unwetter können schließlich auch von der heimischen Wohnung oder vom Arbeitsplatz aus gemeldet werden.

Faszination Naturgewalt

Umgekehrt gilt das Gleiche: Genauso wie längst nicht alle privaten Wetterbeobachter Stürmen hinterherjagen, melden auch nicht alle Sturmjäger ihre Beobachtungen an einen Wetterdienst oder eine andere Warnstelle. Vielen geht es bei ihrem Hobby einfach darum, gute Bilder zu machen und den Nervenkitzel zu erleben, den eine gewaltige Sturmfront oder gar ein Tornado auslöst. Wer einmal ein Superzellengewitter aus sicherer Entfernung beobachtet hat, kann die Faszination sicher nachvollziehen, die diese ungebändigten Naturgewalten bei den Sturmjägern erzeugt. Trotzdem sollte man auch angesichts von atemberaubenden Fotos und Videos niemals vergessen, dass schwere Unwetter nicht nur faszinierende Bilder produzieren, sondern oftmals auch Zerstörung und im schlimmsten Fall sogar den Tod mit sich bringen. 

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