Lebensmittelindustrie

Leben dicke Menschen in Wirklichkeit länger?

Übergewichtige leiden eher an Krankheiten wie Krebs und haben daher eine geringere Lebenserwartung? Überraschenderweise stimmt das nicht, wie jetzt ein Forscherteam zeigte.

Dicke Frau auf Bierbank

© imago/Ralph Peters

Seit Generationen warnen Ärzte eindringlich davor, dick zu werden – und behandeln Übergewichtige wie Schwerkranke, die geheilt werden müssen. Doch das könnte sich bald ändern: Die Ersten, die an dieser Art der Risikobewertung zweifelten, waren Notärzte und Intensivmediziner. Ihnen fiel ein seltsames Muster auf: Dicke, unsportliche Patienten überlebten einen Herzinfarkt deutlich öfter als die durchtrainierten, schlanken Joggertypen – obwohl das nach den Maßgaben von medizinischen Lehrbüchern eigentlich unmöglich sein sollte…

Das Gewichtsparadoxon

Mittlerweile haben Langzeitstudien die Beobachtungen bestätigt: Menschen mit Übergewicht sind aus medizinischer Sicht nicht nur gesünder, sondern haben auch eine erheblich längere Lebenserwartung. Konkret liegt ihr Sterberisiko sechs Prozent niedriger als das eines Normalgewichtigen. Der Grund für das sogenannte „Gewichtsparadoxon“: Dickere Menschen haben größere Energiereserven, von denen sie bei vielen Krankheiten profitieren. Der Mediziner Achim Peters von der Universität Lübeck kam mit einer klinischen Forschergruppe sogar zu dem Ergebnis, dass ein paar Kilo zu viel vor stressbedingten Krankheiten wie Arteriosklerose, Schlaganfall, Depressionen, Muskelschwund und Osteoporose schützen.

Auch die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg hat in ihren Studien belegt, dass leicht Übergewichtige tatsächlich länger leben. Allerdings hat das Grenzen: Thomas Frieden vom Zentrum für Gesundheitsschutz und Prävention in den USA weist darauf hin, dass extreme Fettleibigkeit den Vorteil wieder ins Gegenteil verkehrt: Das Sterberisiko von stark Übergewichtigen lag im Studienzeitraum 29 Prozent höher als bei Normalgewichtigen.
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