Tierwelt

Kleine Killermaschinen: Fressen Piranhas wirklich Menschen auf?

Piranhas haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als blutrünstige Raubfische, die auch vor Menschen nicht Halt machen. Aber stimmt das wirklich?

© iStock-bluepeter

Horrorfilme zeigen Piranhas oft als mörderische Bestien: In Sekundenschnelle, so heißt es, können sie ganze Menschen bis auf das Skelett abnagen. Nur ein Mythos? Oder müssen wir bei einer Begegnung mit Piranhas wirklich um unser Leben fürchten?

Piranhas jagen in den Gewässern des Amazonas und des Orinoko-Deltas. Sie werden oft als „Bulldoggen“ der Flüsse bezeichnet, denn sie haben riesige Lippen, die ihr Gebiss schützen. Bilder von Piranhas entsprechen häufig nicht ihrem tatsächlichen Aussehen: Damit das Gebiss gefährlich wirkt, werden ihnen die Lippen abgeschnitten. Immer noch gelten sie als Bestien, die alles zerfleischen, was ihnen vor die spitzen Zähne kommt.

Doch diese Beurteilung ist unfair: Piranhas haben sich vielmehr auf Aas, kranke und verwundete Tiere spezialisiert. Manche Arten ernähren sich sogar von Früchten. Die Fische gelten zudem als Gesundheitspolizei Südamerikas: Als Aasfresser säubern sie die Gewässer von jedem Kadaver. Damit erfüllen Piranhas eine wichtige Funktion in den Flüssen Südamerikas: Indem sie kranke und tote Tiere fressen, verhindern sie, dass sich Krankheiten ausbreiten.

Vor allem im Amazonas- und Orinoko-Gebiet findet man die beißstarken, bis zu vierzig Zentimeter großen Fische. Innerhalb ihres Schwarms fechten sie die Rangordnung aus. Mit Imponiergehabe und Drohgebärden schüchtern sie sich gegenseitig ein. Wird ein Tier dabei verletzt, kann es passieren, dass der Rest des Schwarms es angreift und frisst. In ausgetrockneten Flussarmen mit einer großen Piranha-Dichte werden die Fische ebenfalls zu Kannibalen.

Woher stammt der Mythos?

Doch die Schilderungen von Piranhas, die größere Säugetiere oder gar Menschen vorsätzlich angreifen, sind oft maßlos übertrieben. Man kann sogar ohne Weiteres in Flüssen schwimmen, in denen sich Piranhas aufhalten. Nur wer offene Wunden hat, sollte das nicht wagen: Riecht einer der Raubfische Blut, verfällt er in einen Rausch. Dann beißt er sich mit seinen scharfen Zähnen am Opfer fest und reißt Fleischstücke aus dem Körper heraus. Normalerweise sind Piranhas jedoch eher ängstlich und gehen Konfrontationen mit großen Lebewesen aus dem Weg.

Vermutlich lassen sich die Legenden über menschenfressende Piranhas auf ein Bestattungsritual einiger indigener Stämme der Amazonasregion zurückführen. Dort kommt es häufig zu Überschwemmungen, was die Indios daran hindert, ihre Verstorbenen unter der Erde zu begraben. Also hängen sie die Toten an einem Seil ins Wasser, wo Piranhas innerhalb von wenigen Stunden das Fleisch abnagen. Anschließend bringen die Indios die Gebeine auf hochgelegene Begräbnisstätten.

Das könnte Sie auch interessieren