Psychologie

Innerer Ausnahmezustand: Wenn uns Angst lähmt

Sie ist ein elementares Gefühl – und ein lebensnotwendiges dazu: Angst hilft uns, gefährliche Situationen zu meiden oder zu bestehen. Doch was, wenn sie so stark wird, dass sie uns lähmt oder gar verzweifeln lässt?

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Angst zählt zu unseren elementarsten Gefühlen. Sie ist unverzichtbar – etwa wenn es gilt, Gefahrensituationen zu meiden oder letzte Reserven zu mobilisieren. Doch viele Menschen haben Angst, ohne dass es einen nachvollziehbaren Grund dafür gibt. Manchmal werden sie wie aus heiterem Himmel von Panikattacken überfallen. Doch was tun, wenn der Körper unkontrolliert auf Alarm schaltet?
  
Wenn Menschen Angst haben, bringt das zahlreiche physiologische Reaktionen mit sich. Die Atmung wird flacher und beschleunigt sich. Die Pupillen sind geweitet, die Seh- und Hörnerven werden empfindlicher. Die Aufmerksamkeit ist gesteigert. Herzfrequenz, Blutdruck und Muskelanspannung erhöhen sich. Man beginnt zu zittern, zu schwitzen, einigen wird schwindelig und übel. Neben der körperlichen Vorbereitung auf Kampf oder Flucht haben diese Anzeichen auch einen sozialen Sinn. Nehmen andere Menschen diese Merkmale wahr, können sie dem Betroffenen Schutz und Hilfe bieten oder sich, je nach Situation, selbst in Sicherheit bringen.

Kehrseite der Evolution: Wenn Angst krank macht 

Angst hat eine wichtige biologische Funktion: Sie soll den Körper im Angesicht einer Gefahr auf eine Kampf- oder Fluchtsituation vorbereiten und damit das Überleben sichern. Für die Urmenschen war dieser Instinkt wichtig, um sich vor wilden Tieren zu schützen. Doch auch in unserer heutigen eher sicheren Gesellschaft haben viele Menschen Angst. Zwar ist die meist unbegründet – dennoch bedrückt sie die Betroffenen, macht im schlimmsten Fall sogar krank. Der eigentlich so gute angeborene Schutzmechanismus hemmt und schwächt dann die Betroffenen.
Die Gründe, aus denen Menschen Angst haben, sind so vielfältig wie die Menschen selbst – und können sich in komplexen Krankheitsbildern niederschlagen. Ob Angst vor Fahrstühlen, Flugzeugen, Spinnen, Schwimmen im offenen Meer oder gar fremden Menschen, was dem einen banal erscheint, stellt für einen anderen eine unüberwindbare Hürde dar. Auch die Art der Angst kann ganz unterschiedlich sein. So gibt es spezifische Phobien, bei denen ein Gegenstand oder eine alltägliche Situation einen Angstzustand auslöst, generalisierte Angststörungen, bei denen sich ein Zustand von Unruhe und Nervosität chronisch verfestigt, oder Panikstörungen, bei denen Menschen scheinbar aus heiterem Himmel von sehr starken Angstgefühlen ergriffen werden. Fast immer wissen die Betroffenen, dass ihre Angst irrational ist – doch sie haben das Gefühl, nichts dagegen tun zu können. Sie fangen an, gewisse Situation zu meiden, und ein Teufelskreis beginnt.

Der Angst ins Auge sehen

Hat sich eine Angststörung erst einmal verfestigt, ist eine Behandlung unabdingbar. Erweist sich das Krankheitsbild als schwerwiegend, sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden. Dieser kann individuelle Behandlungsmethoden empfehlen. Durch Medikamente können die Symptome schnell gelindert werden. Unterstützend dazu wird oft eine Psychotherapie empfohlen. Denn sehr oft ist krankhafte Angst durch psychische Probleme bedingt.

Mithilfe einer Verhaltenstherapie etwa kann ein Ausbruch aus dem festgefahrenen Angstkreislauf erzielt werden. Bezieht sich die Angst wiederum auf ein definierbares Objekt oder eine bestimmte Situation, erweist sich für manche eine Konfrontationstherapie als wirksam. Eine Spinne auf die Hand nehmen, mit Haien tauchen, eine Rede halten – danach fühlen sich die Angstpatienten sicherer, weil sie die gefürchtete Situation gemeistert haben.

Zur Bekämpfung der Angst gibt es aber auch zahlreiche Anleitungen zur Selbsthilfe. Durch bestimmte Tricks und Techniken soll die Kraft des eigenen Körpers und Geistes aktiviert werden. Außerdem kann man versuchen, nervöse oder stressbedingte Angstattacken mit natürlichen Produkten in den Griff zu bekommen. Johanniskraut und Baldrian lösen und beruhigen. Autogenes Training, Yoga und Sport können dabei helfen, die Ursachen der Angst zu kanalisieren.

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