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Die größten Mythen

Independence Day: Wer beging den längsten Genozid der Geschichte?

Amerika wurde nicht von friedlichen Siedlern erobert, sondern von Soldaten. Forscher schätzen, dass dabei 98,6 Prozent der indigen Bevölkerung der USA ums Leben kam. Wir blicken auf die unschöne Vergangenheit der USA.

© iStock-belfasteileen

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Wir werden gezwungen sein, sie wie Tiere zu jagen – und sie aus den Wäldern in die Felsengebirge zu treiben“, erklärt Anfang des 19. Jahrhunderts ausge­rechnet Thomas Jefferson. Der Präsident, der als großer Indianderfreund in die Geschichte einging, enttarnt so mit nur einem Satz einen Völkermord, der über zwei Jahrhunderte systematisch hinter romantischen Wild-West-Geschichten verborgen wurde. Bis zu 18 Millionen Ureinwohner sterben allein in Nordamerika durch die gewalttätige Besiedlung des Westens. Dabei fing alles so harmlos an… 
 
Nachdem gegen Ende des 17. Jahrhunderts immer mehr Briten nach Amerika kommen, beginnen die Indianer mit den Weißen Handel zu treiben und schließen Verträge über Landnutzungsrech­te ab. Zwar brechen zwischen den Ureinwohnern und Neuankömmlingen immer wieder auch ge­walttätige Auseinandersetzungen aus, insgesamt jedoch leben die fremden Kulturen relativ friedlich nebeneinander. Das jedoch ändert sich paradoxerweise mit einem Ereignis, das in den USA heute eher mit einem Akt der Befreiung verbunden wird: der amerikanischen Unabhän­gigkeitserklärung am 4. Juli 1776 – und dem Rückzug des britischen Kolonialherren aus den USA.

Denn anders als oft dargestellt, haben die Briten nicht die Absicht, die USA zu erobern. Ganz im Gegenteil. Die britische Kolonialpolitik basiert von jeher auf dem Ansatz, Handel zu treiben. Und um die Geschäfte nicht zu stören, achtet man sogar darauf, mithilfe von Einwanderungsquoten das empfindliche Gleichgewicht zwischen Sied­lern und Eingeborenen zu halten. Die militärischen Ambitionen beschränkten sich dabei in der Regel auf die Verteidigung von wirtschaftlichen Inter­essen und die Absicherung von Handelsposten. Die Regierung der Vereinigten Staaten verfolgt dagegen seit 1776 machtpolitische Ziele – und das bedeutet: die Unterwerfung der Indianer. Während Millionen europäische Siedler mit dem romantischen Mythos gelockt werden, sich im Westen ein besseres Leben aufbauen zu können, werden die Ureinwohner des Kontinents praktisch ausgelöscht. 

Wofür standen die „Indian Removal Act?”

Vor allem Andrew Jackson, der 7. US-Präsident, ist ein Verfechter der ethnischen Säuberungen. Am 28. Mai 1830 unterschreibt er mit dem „Indian Removal Act“ ein Gesetz, das die Umsiedlung Tausender Indianer-Stämme erlaubt, um Territorien für weiße Siedler zu schaffen. Viele Stämme wollen jedoch ihre fruchtbare Heimat am Mississippi nicht gegen ein Stück staubige Prärie tauschen. Daraufhin reagiert die US-Regierung mit brutaler Gewalt. Die Indianer werden zusammengetrieben, in Lagern interniert und unter strenger Bewachung in ihre Reservate abgeschoben. Das passiert so unorganisiert, dass rund ein Viertel der Depor­tierten während des Gewaltmarsches ums Leben kommt – durch Hunger, Unterkühlung und Er­schöpfung.

Dieses düstere Kapitel geht als der „Pfad der Tränen“ in die Geschichte der USA ein. Folge: Als es im Jahr 1890 zum letzten sogenann­ten „Indianerkrieg“ kommt, bei dem in Wahrheit lediglich 300 unbewaffnete Lakota-Indianer dahingemetzelt werden, leben insgesamt nur noch 250.000 Indianer in den USA. Erst 1924 spricht man ihnen Bürgerrechte zu – und been­det nach 148 Jahren eine Phase der US-Geschich­te, die heute unter Historikern als längster Ge­nozid der Geschichte gilt.
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