Atomwaffen

Heller als 1.000 Sonnen: Die furchtbare Vernichtungskraft der Atombombe

Mehr als 70 Jahre nach dem Inferno von Hiroshima und Nagasaki blickt Welt der Wunder zu den Anfängen der schrecklichen Vernichtungswaffe. Wie wurde die Atombombe einst entwickelt?

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Ihre Entwicklung stellte einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit dar: Bereits die erste Atombombe – gezündet am 16. Juli 1945 in der Wüste von New Mexiko – erreichte ungeahnte Explosionsenergien. Die verheerende Wirkung der neuen Waffe zeigte sich kurz darauf im August 1945, als die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki fast vollständig zerstört und hunderttausende Menschen getötet wurden. Erstmals hatte die Menschheit die Möglichkeit, sich selbst vollständig auszulöschen. Eine Bedrohung, die immer noch existiert...

Verheerende Kettenreaktion

In den Jahren und Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem von den USA und der Sowjetunion immer stärkere Atombomben entwickelt. Das Wettrüsten des Kalten Krieges hatte begonnen. Für die bisher gewaltigste Bombenexplosion überhaupt sorgte die sowjetische „Zar-Bombe“. Diese wurde am 30. Oktober 1961 bei einem atmosphärischen Atombombentest gezündet und setzte eine Energie von rund 57 Millionen Tonnen TNT frei. Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte „nur“ eine Sprengkraft von 13.000 Tonnen TNT. Eine Explosion wie diejenige der „Zar“-Bombe hätte im Kriegseinsatz ganze Ballungsgebiete zerstört.

Die Macht der Neutronen

Eine Atomexplosion ist die Folge einer Kettenreaktion: Kommt es bei einem bestimmten Urantyp – U-235 – zur Kernspaltung, werden Neutronen frei, die ihrerseits weitere Urankerne spalten. Ist die Menge an Uran groß genug – man spricht von der so genannten kritischen Masse -, folgt eine Kettenreaktion, die gewaltige Energien freisetzt. Ist die Uranmasse allerdings zu gering, treffen die Neutronen nicht immer wieder auf neue Kerne – und die Kettenreaktion stoppt. Das Problem bei diesem Bombentyp ist allerdings, dass U-235 sehr selten und nur schwer zu gewinnen ist. Die Alternative: Plutonium. Zwar kommt das Element nicht in der Natur vor, doch kann es im Reaktor künstlich erzeugt werden.

Grausame Folgen

Wenn eine Atombombe explodiert, hat das eine Druckwelle zur Folge, die sich über Hunderte von Kilometern ausbreiten kann, Gebäude in weitem Umkreis zerstört und zahlreiche Todesopfer fordert. Näher beim Zentrum der Explosion verursacht die abgegebene Wärmestrahlung Verbrennungen der Haut, im Hypozentrum verbrennen Lebewesen gar zur Unkenntlichkeit, Materie verdampft. Zudem kann die freigesetzte Radioaktivität noch Jahre später durch Fallout-Partikel zur Erkrankung an der Strahlenkrankheit oder sogar zum Tod führen.

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Von Hahn zu Hiroshima

Als der deutsche Chemiker Otto Hahn zusammen mit Fritz Straßmann im Dezember 1938 mit Uranatomen experimentierte, machte er eine sensationelle Entdeckung. Um das chemische Verhalten des Schwermetalls zu erforschen, beschoss er Uranplättchen mit Neutronen. Doch etwas Seltsames geschah: In der Uranprobe fanden sich Spuren des Elements Barium. Hahn deutete das Ergebnis so, dass die Urankerne zerplatzt und so die viel leichteren Barium-Atome entstanden sein müssen. Er hatte die Kernspaltung entdeckt.
 
In den USA wurde die Befürchtung, die Nazis könnten eine Atombombe bauen, zum Anlass genommen, selbst ein Atombombenprogramm zu entwickeln. 1941 bewilligte der amerikanische Präsident Roosevelt das Manhatten Engineering District Project. Von 1943 an arbeiteten im Forschungslaboratorium in Los Alamos in New Mexico unter der Leitung von Robert Oppenheimer mehrere tausend Menschen, darunter Wissenschaftler aus aller Welt.

Die Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki

Am 16. Juli 1945 wurde die erste Atombombe bei Alamogardo gezündet. Der so genannte Trinity-Test leitete eine neue Ära ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Deutschland allerdings bereits kapituliert. Das immer noch kriegführende Japan rückte stattdessen in den Blickpunkt der US-Strategen. Am 6. August 1945 wurde eine Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen. Was folgte, war ein Inferno.
 
Die Wirkung übertraf alles bisher da gewesene. Die Stadt wurde in Trümmer gelegt. Doch Japan kapitulierte immer noch nicht. Also zündeten die Amerikaner drei Tage später über Nagasaki eine zweite Nuklearwaffe. Erst jetzt kapitulierte Japan, der Weltkrieg war vorbei. Die beiden Bomben töteten insgesamt 160.000 Menschen sofort. Weit mehr erkrankten an der Strahlenkrankheit durch den radioaktiven Fallout und starben in den darauf folgenden Tagen und Wochen.
 
Die neue Bombe verschaffte den USA einen erheblichen Zugewinn an militärischer Macht und so begannen auch andere Staaten, Nuklearwaffen zu entwickeln. Am 2. Oktober 1949 testete die Sowjetunion erstmals eine Nuklearwaffe, Großbritannien folgte am 2. Oktober 1952.

Vernunft und Wahnsinn

Aktuell verfügen folgende Staaten über Atomwaffen und gelten offiziell als Atommächte, da sie im Atomwaffensperrvertrag genannt sind: USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, Volksrepublik China. Zu den faktische Atommächten, die über Kernwaffen verfügen, aber dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten sind, gehören: Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea

In den Fünfzigern und zu Beginn der sechziger Jahre testeten die Atommächte ihre Waffen noch oberirdisch. Am 10. Oktober 1964 trat das Atomstoppabkommen in Kraft, das festlegte, dass keine Nuklearwaffen in der Atmosphäre, im All oder im Wasser getestet werden dürfen. Danach wurden nur noch unterirdische Tests durchgeführt. 120 Nationen traten diesem Abkommen bei.

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