Ökologische Anpassung

Grüne Survival-Profis: Wie überleben Kakteen in der Wüste?

Kakteen haben im Laufe der Evolution perfekte Strategien entwickelt, um sich selbst unter härtesten Umweltbedingungen zu behaupten. Doch wie gelingt ihnen dieses Kunststück?

Kakteen in der Wüste

© Istock/pilgrims49

Durch ihr eigenwilliges Aussehen und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten zählen Kakteen zu den faszinierendsten Pflanzen der Erde. Dort, wo die Sonne erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel brennt und ein Mensch kaum mehr als einen Tag ohne Wasser überleben könnte, fühlen sie sich besonders wohl. In den tropischen und subtropischen Gebieten zwischen Mexiko und Argentinien liegen die Ursprünge der Kakteen. Wissenschaftler vermuten ihre Anfänge vor dreißig bis sechzig Millionen Jahren. Insgesamt gibt es 1.500 bis 3.000 verschiedene Arten – und manche von ihnen können mehrere hundert Jahre alt werden.

Eine raffinierte Art, sich fortzupflanzen

Trotz der Wasserknappheit ihres Lebensumfelds haben Kakteen oft prächtige Blüten. Die leuchtenden Farben signalisieren den Insekten: Hier ist eine Nahrungsquelle – und die Bestäubung kann beginnen. Einige Kakteen öffnen ihre Blumenkelche nur nachts. In der Dunkelheit locken ihre Blüten statt mit Farben dann mit Duftstoffen. Vor allem große Kakteen haben sich im Laufe der Evolution den nachtaktiven Fledermäusen angepasst. Ihre Blüten sind so gebaut, dass die Fledermaus den Nektar im Flug ausschlürfen kann. Fliegt sie zum nächsten Kaktus, trägt sie einen Teil des Blütenstaubs mit und bestäubt so ganz von selbst die nächste Blüte.

Manche Kakteen kommen allerdings auch ohne die Hilfe von Insekten und Fledermäusen aus: Sie pflanzen sich selbst fort. Ein Beispiel dafür sind Feigenkakteen. Bricht ein Teil des Stammes ab und fällt auf die Erde, wächst daraus eine neue Pflanze, die mit der Mutterpflanze absolut identisch ist. Möglich ist dies, weil das vorhandene Wasser in den einzelnen Pflanzenteilen sehr lange gespeichert werden kann. So ist jedes einzelne Teil in der Lage, neue Wurzeln auszubilden. Auch das ist ein Grund dafür, dass sich Kakteen unter den härtesten Lebensbedingungen behaupten konnten.
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Der Ziehharmonika-Trick fürs Überleben

Kakteen haben die perfekte Strategie für das Überleben in besonders trockenen Gegenden entwickelt: Ein großflächiges Wurzelsystem knapp unter der Erdoberfläche saugt das Wasser der seltenen Regenfälle optimal auf und leitet es in den Stamm weiter. Dieser besteht aus einzelnen Gewebefalten – ähnlich wie bei einer Ziehharmonika. Durch das aufgenommene Wasser dehnen sich die Falten aus, um die Feuchtigkeit zu speichern. In der Trockenzeit zehrt der Kaktus dann von seinen eingelagerten Vorräten und die Falten rücken wieder enger zusammen. Der bis zu zwanzig Meter hohe Saguaro-Kaktus etwa kann mit Hilfe dieses Tricks mehrere Hundert Liter Wasser auf einmal aufnehmen und rund ein Jahr lang davon zehren.

Zusätzlich schützt eine dicke Lederhaut den Kaktus vor Wasserverlust und Austrocknung. Auch haben Kakteen im Laufe ihrer Entwicklung ihre Blätter zu Dornen umgewandelt. Der Grund: Dornen bieten der Sonne eine wesentlich geringere Verdunstungsfläche als Blätter. Dadurch verlieren Kakteen so wenig Wasser wie möglich – ein wahres Meisterwerk der Evolution. Nur Laubkakteen – die sogenannten Pereskien – stellen eine Ausnahme dar. Pereskien wachsen wie Sträucher und tragen sowohl Blätter als auch Dornen. Die Wandlung anderer Kakteenarten haben sie also nur zur Hälfte vollzogen. So wie Pereskien könnten die ursprünglichsten Kakteen ausgesehen haben. Allerdings gibt es keine fossilen Funde, die diese These stützen könnten.

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