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Exit-Strategien gegen Gewalt

Gewaltsituationen meistern: Wenn die Vermeidung scheitert, kommt die Bereinigung

Es gibt drei Stufen der Gewalt-Deeskalation: Vermeidung, Bereinigung, Selbstschutz. Sind alle Vermeidungsstrategien gescheitert, kommt es zur sogenannten verbalen Bereinigung. Dabei gilt es, die Situation durch Worte zu entschärfen – und den Täter von seiner Gewalttat abzubringen.

© iStock-mheim3011

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Wenn beschwichtigende Worte und Gesten nicht ausreichen, kann man zu einer letzten Bereinigungsstrategie greifen: zur verbalen Konfrontation.
 
Das Prinzip: Konfrontieren Sie ihr Gegenüber mit konkreten Auffor­derungen zu seinem Verhalten (etwa „Halten Sie Abstand“, „Bitte gehen Sie jetzt“). Dabei sprechen Sie (je nach Gefühl der Bedrohung) höflich, bestimmt oder ‚befehlend‘. Ihre Lautstärke schrauben Sie gleichzeitig immer weiter hoch (Beispiel: „Bitte halten Sie Ab­stand!“, „Sie sollen ABSTAND hal­ten!“, ABSTAND HALTEN!!! JETZT!!! JETZT!!! ABSTAND!!!“). Je lauter und entschlossener wir verbal auftreten, desto selbstsiche­rer und konsequenter muss auch unsere Körperhaltung und Gestik werden. Sollte Ihr Gegenüber nun versu­chen, (z.B. aggressiv oder ausfal­lend) gegen Ihre Aufforderung an­zureden, hat sich folgende Strategie bewährt: das Gegenüber nicht zu Wort kommen zu lassen, indem man die Aufforderung stetig wiederholt.
 
Tipp: Richten Sie Ihren Körper frontal zu Ihrem Gegenüber aus. Halten Sie sich unbedingt gerade und blicken Sie Ihrem Gegenüber in die Augen. Versetzen Sie ein Bein leicht nach hinten, um Ihre Stabilität zu erhöhen (lässt Sie nicht nur sicherer stehen, sondern auch sicherer aussehen), heben Sie die Arme in Beugehaltung (die sogenannte „Tyrannosaurus Rex-Hal­tung“) mit den Handflächen nach außen vor den Brustkorb (das ist eine deeskalierende Geste, die es Ihnen erlaubt, mit einem Schutzreflex schnell zu reagieren, falls etwa ein Schlag gegen Ihren Kopf ausgeführt wird).
 
Generell gilt: Vermeiden Sie auf jeden Fall Beleidigungen oder Pro­vokationen. Sprechen Sie Ihr Ge­genüber immer in der „Sie-Form“ an, um eine persönliche Distanz zu unterstreichen. Bewahren Sie nach Möglichkeit auch eine räumliche Distanz. Generell gilt: Je mehr Ab­stand Sie zwischen sich und eine potenzielle Bedrohung bekommen, desto besser für Sie.
 
Tipp: Die Erfahrung zeigt, dass sich Täter, die auf diese Weise verunsichert und/oder zu einem Konfrontationsabbruch bewegt werden, lautstark und oft mit Be­leidigungen oder Drohungen ver­abschieden. Dabei handelt es sich „jedoch lediglich um harmlose Rückzugsgefechte mit dem Zweck der Gesichtswahrung“, sagt der Deeskalations-Experte Stefan Reinisch. „Gehen Sie auf kei­nen Fall darauf ein – und lassen Sie ihm diesen (für ihn) angeneh­meren Abgang.“

© iStock-Wavebreakmedia

Wut entschärfen

Ziel der verbalen Bereinigung ist es, die Situation zu lenken – Kontrolle zu erlangen. Der Trick ist, durch Reflexionsfragen das Gegenüber zum Nachdenken zu bewegen. Wer über sich und seine geplanten Handlungen nachdenkt, zögert, wägt ab, taxiert den Gegner noch einmal. Hinzu kommt, dass selbst vermeintlich aggressive Tä­ter eigentlich einen Ausweg aus der Situation (z. B. durch Einschüchterung des Gegners) su­chen, bei dem sie nicht das Gesicht verlieren oder bei dem sie sich im Nachhinein als Sieger fühlen können. Ein Gespräch bietet immer eine Chance für einen geordneten Rückzug für beide Parteien. Wenn das nicht klappt, gilt dennoch: Hunde, die bellen, beißen nicht (immer!). Anders gesagt: Unser Gehirn kann nicht zugleich wü­tend und vernünftig sein – es muss sich ent­scheiden. Wenn Sie das Gehirn Ihres Gegen­übers mit einem rationalen Gespräch konfrontieren, bleibt ihm zunächst nichts ande­res übrig, als die Wut zurückzufahren. Solche Rationalitäts- und Reflexionseffekte beim Ag­gressor können Sie auslösen, indem Sie z. B. fragen: „Warum machen Sie das jetzt?“, „Was wollen Sie eigentlich genau von mir?“, oder auch: „Könnten Sie bitte etwas langsamer spre­chen?“, „Wollen Sie, dass ich gehe?“
 
Tipp 1: Sprechen Sie Ihr Gegenüber nicht an, wenn es stattdessen möglich ist, sich gefahrlos zu entfernen. Verwickeln Sie Kontrahenten in keine Diskussion, spielen Sie auf keinen Fall den Schlauen, machen Sie sich nicht lustig, vermeiden Sie Beleidigungen oder Kraftaus­drücke. Siezen Sie Ihr Gegenüber, denn das stellt Distanz her. Halten Sie einen respektvollen Abstand, die Arme locker vor dem Kör­per (Abstandhalter, Möglichkeit, einen Schlag abzublocken), den Kopf leicht gesenkt (Schutz vor Kopfstößen).
 
Tipp 2: Ein Risiko geht während der Phase der verbalen Deeskalation nicht nur von einem potenziellen Angreifer aus, sondern auch von einem selbst. Der Grund: das Ego. Vielen Men­schen fällt es sehr schwer, eine Situation „nur“ verbal zu bereinigen oder sie zu bereinigen, indem man ausweicht. Deswegen gilt: „Es ist einfacher, Ärger zu vermeiden, als sich daraus heraus zu kämpfen“, sagt der US-Sicherheitsex­perte Kelly McCann. Generell gilt: Wägen auch Sie immer ganz genau ab, ob der Grund für die Konfrontation eine körperliche Auseinander­setzung wert ist. In den meisten Fällen würde man das mit nüchternem Blick verneinen.

Strategie eins gegen eine Gewalt-Deeskalation ist die Vermeidung. An letzter Stelle steht der Selbstschutz.
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