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Exit-Strategien gegen Gewalt

Gewaltsituationen meistern: In der Not müssen wir uns wehren

Es gibt drei Stufen der Gewalt-Deeskalation: Vermeidung, Bereinigung, Selbstschutz. In den allermeisten Fällen lassen sich Konflikte durch die ersten beiden Stufen lösen. Doch wie reagiert man, wenn diese Strategien gescheitert sind? Die gute Nachricht ist: Wir können uns wehren. Denn unser Gehirn verleiht uns ungeahnte Kräfte.

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Wenn es zum Angriff kommt wissen geübte Kämpfer, was zu tun ist. Für alle anderen sieht die Sache aber schon ganz anders aus. Die gute Nachricht: Jeder Mensch hat von Geburt an Schutzreflexe, die im Falle eines plötzlichen Angriffs wirksam werden, sei es ein instinktives Ausweichen, Schützen des Kopfes oder Hochreißen der Arme. Aber wie weiter? Kann ich überhaupt richtig angreifen, wenn ich nicht mindestens ein paar Jahre eine Kampfsportart ausgeübt habe? Die Antwort ist ganz klar: Auf jeden Fall! Denn jeder Mensch hat rein anatomisch die glei­chen Voraussetzungen. Was Laien außerdem einsetzen können: Schnelligkeit, Entschlos­senheit und Konsequenz. Hinzu kommt: Ein Kampf wird in der Regel im Kopf entschie­den. 
 
Das ist keine Floskel! Kampfsportexper­ten sehen darin sogar den größten Unter­schied zwischen einem sportlichen Kampf und einer Selbstschutztechnik: Beim Kampfsport sind 90 Prozent Technik und Körperbeherrschung, nur 10 Prozent menta­le Einstellung. Beim Selbstschutz ist das ge­nau umgekehrt. Hier zählt vor allem die Ent­schlossenheit, mit der man vorgeht – der Wille, sich selbst zu retten. Um das zu ver­deutlichen, können Sie sich Folgendes vor­stellen: Nicht Sie, sondern ein Mensch, den Sie sehr lieben, der sich aber nicht selbst verteidigen kann, wird brutal angegriffen. Die meisten Menschen empfinden bereits bei der Vorstellung daran ein Gefühl der Hitze, be­kommen einen Tunnelblick, ballen die Fäus­te, verkrampfen die Kiefermuskeln usw.. Das ist in unseren Wutkreislauf so veran­kert. In jedem Menschen steckt also ein ge­fährlicher Gegner für jedermann. Erfahrene Kampfsportler wissen das. Sie würden nie­mals einen Gegner unterschätzen. Genauso sollten Laien nicht sich selbst unterschätzen. 
 
Tipp: Wenn Sie einen Selbst­verteidigungskurs besuchen wollen, fragen Sie den Trainer zunächst nach dem Kursauf­bau. Wie ist die Gewichtung zwischen psy­chischen und körperlichen Training? Der Grund: „90 Prozent des Erfolgs liegen in un­serer Psyche begründet“, sagt der Deeskalations-Experte Stefan Reinisch. „Die restlichen 10 Prozent sollten grobmo­torische körperliche Fähigkeiten umfassen.“

Wie erkenne ich einen Angriff

Menschen neigen dazu, Angriffe durch unterbewusste Gesten und Verhaltensweisen anzukündigen. Dazu gehören beispielsweise vermeintlich beiläufige Berührungen des Kopfes oder des Ge­sichts, eine Gewichtsverlagerung auf das hintere Bein, das Verdecken einer oder beider Händen, das Ausziehen von Klei­dung, das Umschauen (Suche nach Zeugen), Körperkontakt (Antippen, ins Gesicht fassen) oder Adrenalin-Symptome (z. B. blasse Haut, zitternde Hände). Ein anderer Hinweis, dass ein An­griff unmittelbar bevorsteht, ist, wenn der Gegenüber immer ein­silbiger, unverständlicher und fragender in seinen Worten wird (z. B. „Hä?“, „Was?“, „Äh?“). Der Grund: Der Aggressor weiß, dass sein Angriff unmittelbar bevorsteht, und schüttet Adrenalin aus, Blut wird vom Gehirn in die Muskeln umgeleitet. Insgesamt sorgt dieser Stress für eine eingeschränkte Denkleistung. 

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Ab wann wehre ich mich?

Man kann für sich selbst rote Linien festlegen. Ex­perten nennen dieses Festlegen von objektiven Angriffs­signalen „Trigger“. Solche „Trigger“ können sehr unter­schiedlich sein. Bewährt haben sich aber die folgenden:
 
  • ZWEI-KONTAKT-REGEL: Man hat sich innerlich darauf eingestellt, zwei niedrigsschwellige Körperkontak­te hinzunehmen (z. B. Schubsen oder Wegschlagen der vor dem Brustkorb erhobenen Hände). Folgt ein dritter Kontaktversuch, geht man sofort zum Gegenangriff über. Problem: Unter Umständen muss man juristisch begrün­den, warum der Angriff unmittelbar bevorstand. 

  • ANDROHUNGS-TRIGGER: Auch Worte können als „Trigger“ festgelegt werden. Gemeint ist das oft einem Angriff vorausgehende Androhen von unmittelbarer Ge­walt („Ich mach dich kalt!“). Solche Worte können im richtigen Kontext einen Präventivschlag rechtfertigen – auch juristisch.

Rechtslage

Der Gesetzgeber erlaubt es, in einer bedrohlichen und ausweglosen Situation „präventiv zu agieren“. Wenn Sie alles versucht haben, um einem Täter aus dem Weg zu gehen und die Situation verbal zu deeskalieren, Ihr Gegenüber dennoch seine aggressive Konfrontation fortsetzt und Ihnen eine Flucht nicht möglich ist, hat ER Sie in eine ausweglose Situation gebracht – und muss mit den Konsequenzen seines Handelns leben. Im Strafgesetzbuch regelt das §32 StGB. Dort steht in Abs. 2: „Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen Angriff von sich oder anderen abzuwenden.“ Der entscheidende Punkt ist hier das Wort „gegenwärtig“. Die ständige Rechtsprechung sagt dazu, dass ein Angriff „gegenwärtig“ ist, wenn er „un­mittelbar bevorsteht, gerade stattfindet oder noch an­dauert“. 
 
Selbstschutz sollte immer die letzte Strategie sein. An erster Stelle steht die Vermeidung und an zweiter Stelle die verbale Bereinigung.
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