Natur

Geheimnisvolle grüne Sprache: Wie Pflanzen miteinander kommunizieren

Pflanzen sind stumm – glauben viele. Doch das Gegenteil ist der Fall: Bäume, Blumen und Sträucher kommunizieren miteinander und auch mit Tieren. Doch wie funktioniert das genau?

© imago-blickwinkel

Wie wir Menschen haben Pflanzen bestimmte Signale, über die sie sich mitteilen. Wo bei uns das gesprochene und geschriebene Wort als Kommunikationsmedium gilt, verwenden Pflanzen Duftstoffe. Mit bis zu hundert Duftvokabeln können sie erstaunlich komplexe Informationen versenden und untereinander austauschen.

Vor allem bei der Selbstverteidigung kommt ihnen diese Fähigkeit zugute. Da Pflanzen nicht vor ihren gefräßigen Feinden fliehen können, behelfen sie sich mit einem Trick: Sie rufen um Hilfe, in dem sie mit Hilfe von Duftstoffen Feinde des Feindes anlocken. Eine solche Strategie verfolgt zum Beispiel die Maispflanze: Wird sie von einer Raupe befallen, sondert sie einen Geruch ab, der Schlupfwespen anlockt. Diese gelten als natürlicher Feind der Raupe und beseitigen den Schädling der Maispflanze.

Nachbarschaftshilfe

Doch Pflanzen setzen nicht nur auf die Kommunikation mit Insekten, um sich zu verteidigen. Auch untereinander sind die Grünlinge in Kontakt. Merkt eine Pflanze zum Beispiel, dass sie gefressen wird, sendet sie ein Duftsignal aus, das von anderen Pflanzen wahrgenommen werden kann. Diese werden hierdurch alarmiert und können Verteidigungsmechanismen aktivieren. Diese Strategie ist keineswegs nur uneigennützig – schließlich lockt eine befallene Pflanze Ungeziefer an und wird damit zur Gefahr für ihre Nachbarn.
Britischen Biologen ist es nun sogar erstmals gelungen, diesen Prozess auf Video festzuhalten: Sie hatten das Blatt einer Schaumkressepflanze (Bild) mit einer Schere angeschnitten und sie dann, gemeinsam mit zwei gesunden Pflanzen, in eine versiegelte Kammer gestellt. Mit Hilfe einer Spezialkamera konnten sie zeigen, wie die beschädigte Pflanze ein Gas absonderte – und die beiden anderen in die „Warnung“ mit einstimmten.  Die Biologen glauben, dass überall um uns herum Pflanzen miteinander kommunizieren – auch wenn wir heute noch sehr wenig über diese geheimnisvolle „grüne Sprache“ wissen.

Nützlich für die Schädlingsbekämpfung?

Inzwischen arbeitet sogar die Wissenschaft daran,  die Kommunikationsfähigkeit von Pflanzen für die biologische Schädlingsbekämpfung nutzbar zu machen. Die intelligenten und zugleich natürlichen Abwehrtricks der Pflanzenwelt könnten vielleicht in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen, so hoffen die Forscher.  Gerade hier haben viele Kulturpflanzen verlernt, Hilferufe abzusetzen, Nützlinge herbeizurufen oder Schädlinge mit biochemischen Abwehrstrategien in die Flucht zu schlagen. Das Ziel der Forscher besteht deshalb darin, diesen Pflanzen das „Sprechen“ wieder beizubringen – denn so könnte man in Zukunft den Einsatz von Pestiziden reduzieren oder sogar völlig darauf verzichten.

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