Tierschutz

Fulltime-Job: So sieht der Arbeitsalltag einer Katzenfängerin aus

Der Begriff „Katzenfänger“ lässt bei vielen sofort das Kopfkino anspringen: Diebstahl bei Nacht und Nebel, illegale Geschäfte, leidende Katzen. Doch nicht jede Person, die Katzen einfängt, ist in zwielichtiger Mission unterwegs…

© Streunerhilfe Bulgarien

Stella Kuburova hat ihre Leidenschaft für Samtpfoten zum Beruf gemacht – als Katzenfängerin. Täglich ist sie in ihrer bulgarischen Heimatstadt Plowdiw unterwegs, um besitzerlosen, oftmals kranken und schwachen Katzen zu helfen. Für die Menschen der Europäischen Kulturhauptstadt 2019 ist sie das Gesicht eines gemeinsamen Projekts von Welttierschutzgesellschaft und Streunerhilfe Bulgarien. Das Ziel: die Situation der laut offizieller Schätzung 10.000 Streunerkatzen in Plowdiw zu verbessern. Denn vielen von ihnen geht es schlecht: Sie leiden unter Mangelernährung und Erkrankungen oder werden Opfer des Straßenverkehrs.

Kastration ist Tierschutz

Im Zentrum des Projekts steht die Kastration der Katzen. Denn fehlt diese, können Katzen zweimal im Jahr vier bis sechs Junge werfen. Das bedeutet, dass ein Katzenpaar mit seinem Nachwuchs in wenigen Jahren tausende Nachkommen zeugen kann. Flächendeckende Kastrationen sorgen hingegen für eine kleinere, dafür aber weitaus gesündere Katzenpopulation. Auch für die einzelnen Tiere hat die Maßnahme Vorteile. Behandelte Tiere sind weniger aggressiv, wodurch es seltener zu Streitigkeiten und Verletzungen kommt. Außerdem ist ihr Bewegungsradius geringer, weshalb sie seltener im Straßenverkehr zu Schaden kommen.

Tierschutz fängt mit den Menschen an

Damit die Tierschützer möglichst viele Katzen in ihrer Kastrationsklinik operieren können, areitet Stella Kuburova mit viel Geduld und Hingabe in den Straßen von Plowdiw. Die streunenden Katzen, die oft ängstlich und sehr scheu sind, verlangen ihr eine Menge Ausdauer ab, wenn sie über Stunden, manchmal auch Tage, hinweg versucht, ihr Vertrauen zu gewinnen. Aber auch die Menschen in der südbulgarischen Stadt, die sich für ihre Arbeit interessieren, muss sie im Blick haben. Denn Bildungsarbeit durch Gespräche mit der Bevölkerung zählen zu ihren Hauptaufgaben. Kuburova erklärt die Hintergründe ihrer Arbeit, verteilt Flyer und sonstiges Informationsmaterial und hat auch sonst immer ein offenes Ohr für die Menschen, damit sie die Arbeit der Tierschützer besser verstehen können.

Ihre Liebe zu Tieren hat sich bei Kuburova schon früh entwickelt: „Meine Eltern haben mir von klein an den Respekt vor Tieren beigebracht. Zur ‚Katzenperson‘ wurde ich vor sechs Jahren, als ich mit meinem Sohn unterwegs war und wir auf der Straße ein hilfloses, völlig durchnässtes Katzenjunges entdeckten, das offenbar ausgesetzt worden war. Mein Sohn sagte: ‚Wir lassen das Baby hier nicht sterben, oder?‘ Seit diesem Tag kümmere ich mich um Katzen und will mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass solch traurige Anblicke auf unseren Straßen aufhören.“

Katzenfangen als Vollzeitjob

Der Arbeitstag von Stella Kuburova beginnt um 8 Uhr in der Klinik. Dort begutachtet sie die am Vortag eingefangenen Katzen, welche anschließend kastriert und medizinisch versorgt wurden. Doch bevor sie die Tiere wieder in ihre alten Reviere bringt, geht es nach der Visite erst einmal für vier Stunden auf „Katzenjagd“. Die Tierschützerin arbeitet sich dabei systematisch vom Stadtkern Plowdiws in die äußeren Bezirke vor, denn durch diese Vorgehensweise sinkt nach und nach die Wahrscheinlichkeit, dass unkastrierte Katzen aufeinandertreffen und für neuen Nachwuchs sorgen.

Am Nachmittag setzt sie die behandelten Tiere vom Vortag wieder in ihren alten Gebieten aus. Das ist wichtig, da so Revierkämpfe verhindert werden. Außerdem besteht keine Gefahr, dass die Katzen auf dem Rückweg in ihr angestammtes Revier im gefährlichen Straßenverkehr Plowdiws zu Schaden kommen. 

Erfolge der Tierschutzarbeit

Durch die Zusammenarbeit von Streunerhilfe Bulgarien und Welttierschutzgesellschaft sind bereits mehr als 5.000 Katzen in Plowdiw kastriert worden. Die gesteigerte Katzengesundheit, die mit dem Einsatz der Tierschützer einhergeht, kann Stella Kuburova immer wieder beobachten. „Komme ich Monate später in ein Revier zurück, wo wir viele Katzen kastriert haben, und sehe, dass die Tiere viel fitter als vorher aussehen, ist das eine großartige Bestätigung unserer Arbeit“, so die Katzenfängerin. 

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