Selbstständigkeit

Franchising: So erfüllen Sie sich den Traum einer eigenen Subway-Filiale

Was haben McDonald’s, Studienkreis und die EasyApotheke gemeinsam? Sie sind alle Franchiseunternehmen, das heißt Privatpersonen nutzen gegen Geld die Marke und das Geschäftskonzept einer großen Kette. Erfahren Sie alles Wichtige über Franchising.

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Das Mutterland des modernen Franchisings ist die USA. Bereits im 19. Jahrhundert kam das Geschäftsmodell auf. Den großen Durchbruch schaffte es nach dem Zweiten Weltkrieg und fasste in den 80er-Jahren auch in Deutschland Fuß. 2018 gab es hierzulande knapp 168.000 Franchisebetriebe mit rund 715.000 Mitarbeiter und einem Gesamtumsatz von 122,8 Milliarden Euro, so die Zahlen des Deutschen Franchiseverbands (DFV). Die Unternehmen stammen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Es gibt nicht nur Fast-Food-Ketten und Restaurants, sondern auch Fitnessstudios (z.B. Mrs.Sporty), Bäckereien (z.B. BackWerk), Cafés (z.B. coffreez), Apotheken (z.B. easyApothke), Nachhilfestudios (z.B. Studienkreis), Reinigungsfirmen für Photovoltaik (z.B. WERTHMANN) oder Steine (z.B. FinalitStoneCare) und vieles mehr. 

Erfolg garantiert durch erprobtes Model

Das Prinzip des Franchisings ist einfach: Ein Franchisegeber, ein bestehendes Unternehmen mit einer etablierten Marke, stellt sein bereits erprobtes und erfolgreiches Geschäftsmodell (Markennamen, Produktrezept, Einrichtung, Dienstleistung, Patente etc.) einem Franchisenehmer (Unternehmensgründer) gegen eine Einstiegsgebühr zur Verfügung. Teilweise muss der Franchisenehmer fortlaufend zusätzlich einen Teil des monatlichen Gewinns abgeben. „Der Erfolg als Franchisenehmer ist auf jeden Fall eher garantiert, als wenn man alles selbst von Null anfängt“, sagt Matthias Kern, Brand President Pizza Hut Deutschland. „Wir als Franchisegeber liefern bereits erprobte Systeme und Standards – niemand muss sich mehr durch die ganzen Regularien kämpfen.“

Im sogenannten Handbuch sind alle wichtigen Dinge (das Know-how) über das Unternehmen und die erfolgreiche Umsetzung des Geschäftsmodells zusammengetragen. Hier können die Franchisenehmer neben dem geheimen Burgerrezept auch Tipps zur Personalführung und Abrechnung nachschlagen. Selbst Quereinsteiger finden sich so schnell ein. „Franchisenehmer kann prinzipiell jeder werden, der unsere Kriterien erfüllt. Das heißt unternehmerische Erfahrung ist mit Sicherheit sehr wertvoll, eine Affinität für Marke, wirklich Gastgeber sein zu wollen ist sehr wichtig und natürlich auch, bereit zu sein zu investieren und Verantwortung zu übernehmen und mit dem System zu wachsen“, sagt Stefan Fehr, Direktor Franchise bei McDonald‘s.

Unabhängig und doch abhängig

Der Franchisenehmer ist dabei rechtlich selbstständiger Unternehmer mit eigenem Risiko und auf eigene Rechnung. Doch er bekommt Unterstützung beim Aufbau und Führen des Betriebs zum Beispiel in Form von Mitarbeiterschulungen, gemeinsamer Buchführung sowie Marketingkampagnen. Für die Zusammenarbeit gibt es klare Regeln und einen Vertrag. In diesem wird unter anderem die Lizenz, der Vertrieb und der Wissensaustausch geregelt. 

Die Hauptmerkmale des Franchisekonzeptes sind folgende:

  • Der Franchisenehmer zahlt einen Einstiegsbeitrag sowie oft eine laufende Gebühr, dafür wird ihm eine Franchiselizenz übertragen; er darf das Geschäftsmodell (Marke, einheitliche Einrichtung, Rezepturen etc.) des Franchisegebers nutzen
  • Der Franchisenehmer ist für den Aufbau und den Betrieb selbst verantwortlich; er ist selbstständiger und unabhängiger Unternehmer
  • Der Franchisenehmer muss sich an die Vorschriften und Abläufe des Franchisegebers halten, sonst drohen Vertragsstrafen
  • Es erfolgen regelmäßig Kontrollen und eine Qualitätssicherung durch den Franchisegeber
  • Der Franchisegeber unterstützt den Franchisenehmer beispielsweise durch Schulungen/Hospitationen, ein Handbuch mit dem Know-how, Gründungsunterstützung, Standortsuche und gemeinsamer Buchführung
  • Der Franchisenehmer profitiert vom Bekanntheitsgrad der Marke
  • Der Franchisegeber unterstützt den Franchisenehmer bei Geldangelegenheiten zum Beispiel durch Finanzplanungshilfe, Kreditvermittlung oder Umsatzplanung
  • Teils ist die Kreditwürdigkeit des Franchisenehmers bei der Bank aufgrund des scheinbar geringeren Risikos erhöht
  • Der Franchisegeber unterstützt den Franchisenehmer beim Marketing
  • Standardisierter Internetauftritt der Marke
  • Gemeinsame Kommunikation auf den Social-Media-Kanälen
  • Zentraler Einkauf (Großeinkauf), gleiches Warenwirtschaftssystem
  • Gebietsschutz (lokales Monopol) des Franchisenehmers
  • Der neue Standort-Inhaber kann teils vom Franchisegeber Ausrüstungen leasen
  • Reger Austausch zwischen den Franchisenehmern 

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Kooperation mit beidseitigem Nutzen

„Sicherlich ist es der kooperative Gedanke und die professionalisierte Arbeitsteilung, die für den Erfolg der Systeme sorgt. Denn im Franchising muss keiner ein Alleskönner sein“, so die Experten des Deutschen Franchiseverbands. Während sich der Franchisegeber auf die Weiterentwicklung des Gesamtkonzeptes konzentriere, sei es am Franchisenehmer, dieses Konzept an seinem Standort umzusetzen. „Dank der Franchisepartner, welche die Marke erfolgreich verbreiten, kann er sich auf seine unternehmerischen Tätigkeiten konzentrieren.“

Ein weiterer Vorteil ist, dass viele Kunden bereits den Namen der Firma kennen. Bekannte Beispiele sind McDonald‘s mit über 35.000 Standorten in rund 40 Ländern oder Subway mit weltweit über 44.000 Niederlassungen. Wenn ein neues Restaurant oder Geschäft um die Ecke aufmachen, ist die Skepsis der Kundschaft meist hoch und es dauert seine Zeit, bis sie sich etabliert haben. Anders wenn auf dem Schild L’Osteria oder Apollo Optik steht. Die Kunden assoziieren allein mit dem Namen, den bekannten Produkten und der typischen Einrichtung ein bestimmtes Erlebnis – der Wiedererkennungswert ist hoch. Dies setzt jedoch voraus, dass der Kunde in den Geschäften der verschiedenen Franchisenehmer stets positive Erfahrungen macht und der gute Ruf erhalten bleibt. Der einzelne Franchisenehmer ist also stets Teil eines großen Ganzen.

Investitionssumme zwischen 10.000 Euro und einer Millionen

Die Eintritts- und Lizenzgebühren variieren stark: Um eine McDonald‘s-Filiale zu öffnen, muss man mit einer Franchisegebühr von 46.000 Euro rechnen und für das Equipment, Personalausbildung etc. zusätzlich mit rund 850.000 Euro. Die laufende Franchisegebühr beträgt fünf Prozent vom Nettoumsatz. Doch oft reicht weniger Startkapital, um Inhaber einer Niederlassung zu werden. Wer einen coffreez-Shop eröffnen will, braucht ein Eigenkapital von 5.000 bis 20.000 Euro und mindestens 7.500 Euro für die Eintrittsgebühr. Die Lizenzgebühr liegt bei 4,5 Prozent. In der Galerie stellen wir noch viele andere Franchiseunternehmen vor. 


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