Tierwelt

Flusspferde: Behäbige Kolosse oder brutale Killer?

Mit ihren dicken Speckrollen sehen Flusspferde richtig gemütlich aus. Doch ihr behäbiges Äußeres täuscht: Mit Leichtigkeit können Flusspferde sogar Löwen und Krokodile töten.

© imago-blickwinkel-20170522

Mit drei Tonnen Lebendgewicht aalen sich die Nilpferde in den seichten Flussläufen Afrikas. Derart stattlich beleibt, sehen sie gemütlich und friedliebend aus. Doch in Wirklichkeit gehören Flusspferde zu den gefährlichsten und unberechenbarsten Tieren der Welt. Mühelos erledigen sie Löwen und teilen selbst ein ausgewachsenes Krokodil mit einem Biss in zwei Hälften. Sie selbst haben keine natürlichen Feinde. Was sie so gefährlich macht, sind ihre elfenbeinernen Eckzähne, Hauer, die bis zu sechzig Zentimeter lang werden können. Sie sind mit einem glasharten Schmelz überzogen. Neben ihren Zähnen sind Flusspferde auch wegen ihrem Tempo gefürchtet. Bis zu vierzig Stundenkilometer schnell können sie rennen.

Flusspferde leben in kleinen Herden, die aus Weibchen und Jungtieren bestehen. Das Gebiet, in dem die Herde zu Hause ist, wird von einem dominanten Bullen beherrscht. Dabei gilt: Je besser das Land, desto mehr Weibchen zählt die Herde. Jeder Bulle markiert sein Revier, indem er mit schnellen Schwanzbewegungen seine Exkremente verteilt. Nähert sich ein anderer Bulle dem Gebiet, reißt der Bulle des Reviers sein riesiges Maul auf und demonstriert damit seine Stärke. Kommt es zum Kampf, fügen sich die Gegner oft klaffende Wunden zu. Regelmäßig Streit gibt es in der Trockenzeit, wenn die Flussläufe ausgetrocknet sind und sich mehrere Bullen ein immer kleiner werdendes Revier teilen müssen. Viele Tiere sterben in diesen heißen Monaten an Unterernährung.

Schleimiger Schutz

Da Flusspferde nicht schwitzen können, meiden sie die Sonne und bleiben tagsüber im Wasser. Dort kühlen sie sich ab. Eine natürliche Sonnencreme schützt ihre empfindlichen Haut vor gefährlichen UV-Strahlen: Über Drüsen sondern Flusspferde einen salzhaltigen, blutroten Schleim ab, der das Austrocknen ihrer Haut verhindert. Ist die Sonne untergegangen, kommen die Flusspferde an Land und fressen. Trotz ihrer gefährlichen Hauer sind die Tiere Vegetarier: Etwa vierzig Kilo Gräser braucht ein ausgewachsenes Flusspferd pro Tag.

In englischsprachigen Ländern werden Flusspferde wegen ihrer lateinischen Bezeichnung „Hippopotamus amphibius“ einfach „Hippos“ genannt. Bei uns sagen die meisten Menschen zu Flusspferden „Nilpferde“. Doch der Name ist irreführend: Zwar gab es vor etwa viertausend Jahren am Unterlauf des Nils riesige Flusspferdherden. Da die Tiere aber jede Ernte zunichtemachten und deswegen über Jahrhunderte hinweg gejagt wurden, starben die letzten Flusspferde vom Nildelta vor etwa zweihundert Jahren aus. Aber auch die Bezeichnung „Flusspferd“ ist eigentlich nicht ganz richtig – denn die Tiere sind nicht mit Pferden verwandt, sondern mit Walen. Die Familienbande zwischen Walen und Flusspferden zeigt sich darin, dass sich beide Arten unter Wasser verständigen und ihren Nachwuchs dort zeugen, gebären und säugen.
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