Tierwelt

Faultiere: Bedrohte Waldbewohner

Ob animiert in Filmen wie „Zoomania“ oder lebendig in YouTube-Videos: Faultiere stehen zur Unterhaltung von uns Menschen derzeit hoch im Kurs. Doch die wenigsten wissen, wie die Tiere wirklich leben und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind.

© ©Welttierschutzgesellschaft

Das Leben eines Faultieres findet zum Großteil in den Bäumen statt. Fortpflanzung, Nahrungsaufnahme oder sogar die Geburt der Jungtiere – all das geschieht unter der Krone mächtiger Urwaldriesen in Süd- und Mittelamerika. Mit ihren Händen und den fast zehn Zentimeter langen, gebogenen Krallen klammern sich die Faultiere kopfüber an den Ästen fest. Hier können sie sich auch gegen Angreifer wie Schlangen oder Greifvögel mit Hieben effektiv zur Wehr setzen. 

Einer der wenigen Gründe, weshalb das Faultier seinen gewohnten Lebensraum verlässt und hinunterklettert, ist zum Verrichten der Notdurft. Dies geschieht allerdings nur alle fünf bis fünfzehn Tage. Das ist dem langsamen Stoffwechsel der Tiere geschuldet, der auch dafür sorgt, dass sich Faultiere nur gemächlich fortbewegen. 

Die größte Gefahr für das träge Säugetier ist der Mensch, der durch die Rodung des Regenwaldes immer weiter in ihren Lebensraum vordringt. Wenn die Holzfäller anrücken, sind Faultiere oft chancenlos. Eine schnelle Flucht ist meist nicht möglich. Die Tiere stürzen mit den Bäumen um oder fallen herunter. Dann irren sie oft orientierungslos und verletzt am Boden umher, geraten in Verkehrsunfälle oder retten sich auf Stromleitungen, wo sie ausharren, bis menschliche Hilfe naht. Viele Tiere sterben dabei. 

Wie kann man die Faultiere schützen?

Tierfreunde versuchen den niedlichen Faultieren zu helfen. Hierzu werben Organisationen, wie die deutsche Welttierschutzgesellschaft, für ein besseres Verständnis der Bedürfnisse dieser Tiere. Zudem rücken Tierschützer nahezu täglich aus, um Faultiere in ihrer Heimat aus misslichen Lagen zu befreien und die Tiere wieder aufzupäppeln. So zum Beispiel auch in Surinam, einem Land in Südamerika, das zu mehr als 90 Prozent mit Regenwald bedeckt ist. Hier hat sich die Nichtregierungsorganisation Green Heritage Fund Suriname (GHFS), eine Partnerorganisation der Welttierschutzgesellschaft, die Rettung von Faultieren und anderen Wildtieren zur Aufgabe gemacht. Die Organisation hat sich im Land inzwischen als feste Anlaufstelle etabliert. Finden Menschen ein Faultier in Not, bringen sie es oder rufen an. Die Rettungsaktionen und späteren Auswilderungen bieten auch Gelegenheit, Wissen über die Faultiere an die Einwohner weiterzugeben und über die Bedürfnisse der Tiere zu informieren.

Herzstück der Arbeit des Green Heritage Fund Suriname ist ein neues Wildtierrettungszentrum in der Nähe der Hauptstadt Paramaribo. Es ist das erste und einzige Schutzzentrum für Wildtiere in Surinam. Das Gelände liegt direkt am Rand des Regenwaldes und ermöglicht eine tiergerechte Unterbringung für verletze und traumatisierte Faultiere, die hier bis zur Auswilderung leben und versorgt werden. Es ist zudem auch für andere Wildtiere Surinams wie große und kleine Ameisenbären errichtet worden. 

© ©Stellar Tsang

Immer mehr Notfälle

Hin und wieder kann es vorkommen, dass sehr junge Tiere gefunden werden, die besondere Fürsorge benötigen. So auch die beiden Faultier-Jungen Jinkoe und Ostrich. Beide wurden als Waisen gerettet und benötigen viel Zuwendung. Um die beiden aufzupäppeln, müssen sie die Mitarbeiter des Rettungszentrums alle paar Stunden mit Ziegenmilch füttern. Doch nicht alle Faultiere sind „Langzeitgäste“. Manche brauchen nur wenige Tage, ehe sie sich von ihren Strapazen erholt haben und in sicheren Waldgebieten wieder ausgewildert werden können. 

Die Bilanz der Tierschützer ist enorm: Seit Gründung im Jahr 2005 hat der Green Heritage Fund Suriname über 600 Tiere aus misslichen Lagen befreit. Dabei ist die Zahl der Rettungen in letzter Zeit kontinuierlich gestiegen: Allein von September 2016 bis Ende 2017 wurden 111 Tiere gerettet, wobei die meisten wieder in die Wildnis entlassen werden konnten. Hauptgründe für diesen Anstieg sind die zunehmende Bekanntheit der Organisation, aber auch die wachsende Gefährdung von Surinams Wildtieren durch Abholzungen.

Um langfristige und dauerhafte Verbesserungen im Tierschutz zu bewirken, ist es wichtig, die Bevölkerung für die Bedürfnisse der Wildtiere zu sensibilisieren. Tierschützer versuchen daher in Schulen und auf Informationsveranstaltungen die Einheimischen über einen verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen und die unmittelbare Auswirkung auf die lokale Tierwelt aufzuklären. Auch auf die Tatsache, dass Wildtiere nicht als Haustiere gehalten werden sollen, muss noch immer regelmäßig hingewiesen werden.

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