Natur

Extrem tödlich: Die raffinierten Jagdmethoden der Venusfliegenfalle

Klappe zu, Beute tot: Die Venusfliegenfalle, eine fleischfressende Pflanze, kann in nur hundert Millisekunden zuschnappen, wenn sich tierische Beute nähert – das ist eine der schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich. Aber was passiert dann? Wie verdaut die Pflanze ihre Beute?

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Sie ist eine der beliebtesten und am häufigsten kultivierten Zierpflanzen, erhältlich in jeder gut sortierten Gärtnerei: die Venusfliegenfalle. In freier Natur wächst sie allerdings in einem sehr begrenzten Verbreitungsgebiet. Die fleischfressende Pflanze aus der Familie der Sonnentaugewächse gedeiht nur auf nährstoffarmen Moorböden in Teilen der USA. Für eine ausgewogene Ernährung ist sie deshalb auf tierische Zusatznahrung angewiesen. Mit ihren aufwändigen Fallenblättern fängt und verdaut sie Insekten.

Pflanzliche Insektenkiller

Wenn eine Fliege oder Ameise auf den zweigeteilten Fangblättern der Pflanze herumkrabbelt, registriert die Pflanze diese Berührung sofort. In Sekundenbruchteilen klappt sie ihre Blätter zusammen und hält so ihre Beute fest. Wie in einem kleinen „grünen Magen“ sorgen dann Drüsensekrete dafür, dass die Fliege verdaut wird. Die tierischen Nährstoffe – vor allem die Eiweiße – lassen die Pflanze gut gedeihen.

Steckt ein Insekt in der Falle fest, versucht es verzweifelt, sich zu befreien. Doch diese mechanischen Reize stimulieren die Venusfliegenfalle nur umso mehr: Sie produziert dann ein spezielles Hormon, das wiederum die Drüsen in der Fallenblättern zur Abgabe von Verdauungssekret anregt. Ist die Falle erst mal stimuliert, leitet sie chemische Signale an die anderen Fallenblätter weiter, die dann ebenfalls in erhöhte Fangbereitschaft versetzt werden. Aus gutem Grund, denn Insekten kommen selten allein: Wo eine Ameise auftaucht, sind die nächsten nicht weit.

Mehrtägige Verdauung

Nach einem Fang ist die Venusfliegenfalle rund zehn Tage mit der Verdauung beschäftigt. Dass die einzelnen Zähne nicht dichter einander stehen, hat übrigens einen Grund: So können kleinere Tiere wieder entwischen, für die sich die mühsame Verdauung nicht lohnen würden. Denn: Der Prozess bedeutet für die Venusfliegenfalle Wasserverlust, schließlich muss sie reichlich Verdauungssaft produzieren. Doch auch gegen das Austrocknen hat der pflanzliche Organismus ein Mittel: Bei Trockenheit macht ein bestimmtes Hormon die Pflanze unempfindlicher gegen Berührungen, so dass sie vorübergehend auf tierische Nahrung verzichtet. Sie hungert sozusagen, um nicht zu verdursten. In Zukunft wollen die Forscher das Erbgut der Venusfliegenfalle entschlüsseln – und damit Hinweise auf die Entstehungsgeschichte dieses faszinierenden pflanzlichen Insektenjägers gewinnen.

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