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Mythen

Entlarvt: Verbrauchermythen im Wahrheitscheck

Sind Bio-Produkte teurer als normale Ware? Dieselmotoren generell verbrauchsärmer? Und ist es unrentabel, mit Öl zu heizen? Unsere Vorstellungen und die Wirklichkeit liegen nicht selten meilenweit auseinander. Wir machen den Faktencheck.

© iStock-masaltof

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1. Bio ist teuer – aber wenigstens transparent

Die Bio-Ecke im Supermarkt. Dorthin lockt einen das gute Gewissen, denn bei Bio weiß man, wo es herkommt und was darin steckt. Keine versteckte Chemie, keine Giftstoffe. Zu voll will man sich den Einkaufswagen damit jedoch nicht machen, da die generell hohen Preise für das Gütesiegel „Bio“ bekannt sind. 

Beides sind heutzutage sogar ziemlich dicke Mythen, die sich aber überraschend hartnäckig halten. Los geht es mit den Inhaltsstoffen. Das Problem ist hier einfach, dass sich auf dem Markt weit mehr als zehn Bio-Verbrauchersiegel tummeln – jedes davon hat unterschiedliche Anforderungen, um an ein Produkt verliehen zu werden. Gemeinsam ist allen zwar, dass sie vergleichsweise hohe Maßstäbe an ein Bio-Produkt legen, das war’s dann aber auch schon. „Bio“ allein garantiert beispielsweise nicht, dass durch Nachbarfelder nicht doch Pestizide drinstecken und unter bestimmten Voraussetzungen sind auch genmanipulierte Pflanzen erlaubt. 

Dafür ist der zweite Mythos, der entlarvt wird, für den Verbraucher deutlich positiver. Denn wie alles andere, was man im Supermarkt erwerben kann, unterliegen auch Bio-Produkte dem marktwirtschaftlichen Prinzip von Angebot und Nachfrage. Vor wenigen Jahren noch, zu Beginn des Bio-Booms, gab es nur wenige Anbieter, die überhaupt liefern konnten. Knappes Angebot plus vergleichsweise geringes Kundeninteresse gleich hohe Preise. 

Heute hingegen ist Bio praktisch Mainstream– zumindest bei Obst und Gemüse, wo 53 Prozent aller Deutschen den unbedenklichen Waren den Vorzug geben. Und das sorgt dafür, dass wesentlich mehr Erzeuger auf diese Herstellungsweise umsatteln. Das Warenangebot wird größer, der Preis sinkt – trotz größerer Nachfrage. Zwar sind Bio-Produkte immer noch teurer als normale Ware, jedoch ist der Preisunterschied längst nicht mehr so erheblich wie zu früheren Zeiten. Erst recht, seit auch Discounter Bio-Produkte in ihr Sortiment aufgenommen haben. 

© iStock-diego_cervo

2. Smartphones haben eine extrem kurze Lebensdauer

Dass Smartphones eine kurze Lebensspanne haben sollen, hält sich hartnäckig. Das liegt nicht nur an den unglaublich kurzen Entwicklungszyklen der Hersteller, die schon nach wenigen Monaten ein einst brandneues Gerät lahm wirken lassen. Das liegt auch an den großen Displays, die gerne mal brechen – im Gegensatz zu den alten robusten Nokia-Telefonen. Das glauben zumindest Verbraucher und denken mit Wehmut an die Zeit zurück, wo die Geräte günstig, praktisch niemals defekt und die Entwicklungszyklen lang waren. 

Hier zeigt sich, dass Nostalgie einem oft genug einen Bären samt rosaroter Brille aufbindet. Denn Fakt ist, dass ein Smartphone in der Regel zwei Jahre lang hält – bis sein Besitzer den Mobilfunkvertrag verlängert und ein Neugerät anschafft. Was allerdings nicht gleichbedeutend mit dem Lebensende des Geräts ist. Denn auch hier zeigt sich ein weiterer Vorteil der Smartphones: Deren Bauweise erlaubt es, immer wieder aktuelle Betriebssysteme aufzuspielen und die Lebensdauer somit dramatisch zu verlängern. Apple etwa bietet aktuelle iOS-Updates nicht nur für Neugeräte an, ähnlich sieht es auch beim am weitesten verbreiteten mobilen Betriebssystem Android aus. Wenn das hochgelobte Nokia früher veraltete Software hatte, war es das indes mit dem Apparat, er landete im Müll. Wer heute hingegen die typischen Internet-Auktionshäuser durchstöbert, kann sich gar nicht retten vor der Flut an gebrauchten Smartphones – alle in gebrauchsfähigem Zustand. 

Möglich wird das auch durch einen anderen Fakt. Durch den vergleichsweise hohen Anschaffungspreis rentiert es sich, ein Smartphone im Schadensfall reparieren zu lassen. Dass in den vergangenen Jahren die Handy-Werkstätten wie Pilze aus dem Boden schossen, kommt nicht von ungefähr. Auch das ist der große Unterschied zu den damaligen Feature-Phones, bei denen das Reparieren oft mangels Ersatzteilen nicht nur schlicht unmöglich war, sondern sich eben wegen der geringen Preise für Neugeräte schlicht nicht lohnte.

© iStock-Teka77

3. Dieselmotoren sind generell haltbarer

Abgesehen von der aktuellen Debatte um Stickoxide und den Abgasskandal des VW-Konzerns ließ uns der jahrzehntelange Erfolg des Dieselmotors vor allem zwei Dinge glauben: Dass er ein echter Kilometerfresser ist, der nahezu unzerstörbar ist, und dass er generell verbrauchsärmer wäre. 

Allerdings sind in Wahrheit beide Ansichten nur mit einem dicken ABER als richtig einzustufen. Wahr ist, dass ein Dieselmotor in seiner Grundkonstruktion für höhere Laufleistungen als ein Benziner prädestiniert ist. Das liegt an den technischen Eigenheiten dieser Motorbauweise:

  • In Dieselkraftstoff stecken pro Liter rund 13 Prozent mehr Energie, deshalb ist der Verbrauch geringer.
  • Die Verbrennungstemperatur im Zylinder ist beim Diesel etwas geringer als beim Benziner.
  • Der Diesel erreicht seine Höchstleistung bei viel geringeren Drehzahlen.

Zusammengenommen entsteht daraus ein Motor, der geringeren Belastungen unterworfen ist. Die Kolben müssen nicht mit so hohen Geschwindigkeiten auf- und absausen, das Material des Motors ist geringeren thermischen Belastungen unterworfen. Das alles sorgt dafür, dass der Verschleiß des Diesels geringer ist – oder besser gesagt war. Denn diese Faktoren gelten eigentlich nur für einen Saugmotor, also einer, in dem kein Turbolader verbaut ist. Allerdings sind Saugdiesel aus den Verkaufsräumen der Autohändler praktisch verschwunden. Heutige PKW-Diesel haben alle einen Turbolader und einem optimierten Verbrauch entsprechend kleinere Hubräume. Weil die Kunden aber dennoch hohe Leistungen einfordern, müssen die Drücke im Motorinneren steigen. Das wiederum erhöht die Belastung der Bauteile – deren Lebensdauer sinkt und damit auch der Stern als „Kilometerfresser“, der klaglos 4-, 5-, oder gar 600.000 Kilometer abspult. 

Weiter demoliert wird dieser Mythos durch einen weiteren Fakt: Weil Diesel kälter verbrennen, benötigen sie länger, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Dabei sind Kaltstarts und -fahrten pures Gift für jeden Motor, denn sie erhöhen Verschleiß und Verbrauch immens. Besonders gravierend ist das beim Diesel auch, weil die meisten davon mit Rußpartikelfiltern ausgerüstet sind – und der braucht gewisse Temperaturen, um nicht zu verstopfen. Fachleute sagen, dass ein Diesel erst ab Strecken jenseits der 15 Kilometer wirklich verschleißarm gefahren werden kann – darunter ist der Verbrauch hoch und die Lebensdauer gering.

© iStock-AndreyPopov

4. Heizölheizungen sind unrentabel

Heizöl? Wer würde sich denn sowas heute noch in den Keller seines Hauses stellen? Das zumindest denken viele Verbraucher. Denn, so glaubt man, ist diese Heizungsform einfach nur teuer, sowohl in der Anschaffung als auch dem Unterhalt. 

In Wahrheit muss man hier deutlich differenzierter herangehen. Unbestritten wahr ist, dass eine Ölheizung in der Anschaffung vergleichsweise teuer ist, weil man neben der Heizung, die an sich schon teuer ist, auch noch einen ebenso kostspieligen Tank benötigt. Allerdings muss man diesen Preis auch vergleichsweise in Relation setzen: Gegenüber einer Gasheizung ist die Ölheizung tatsächlich in der Anschaffung teuer, stellt man jedoch den Anschaffungspreis einer Wärmepumpe daneben, sieht die Sachlage schon ausgewogener aus.

Auch beim Heizmaterial selbst, dem Heizöl, funktioniert Schwarz-Weiß-Denken nicht wirklich. Denn wirft man einen Blick auf vergangene und zukünftige Heizölpreise, dann zeigt sich, dass die Kurve mitnichten nur den Weg nach oben kennt. 

  • 2015 sank der Preis über das Jahr gesehen von über 65 auf rund 45 Euro pro 100 Liter
  • 2016 stieg er erneut auf etwa 61 Euro
  • 2017 fiel er wieder recht schnell auf bislang gut 55 Euro

Hintergrund ist der, dass der Heizölpreis Hand in Hand mit der Fördermenge geht – und nachdem jüngst in Alaska ein wahrhaft gigantisches Ölfeld entdeckt wurde, darf man sich darauf einstellen, dass der Preis eher weiter fallen wird. 

Es kommt noch ein weiterer Öl-Preisvorteil hinzu, denn durch die Lagerung im Tank kann man sich als Verbraucher aussuchen, wann man kauft – das ist außer bei Pellets, die ebenfalls per Vorratshaltung funktionieren, praktisch einzigartig. Auf ganz lange Sicht wird Öl zwar generell teurer werden, das tun jedoch alle anderen fossilen Brennstoffe ebenfalls.

© iStock-ivansmuk

5. Hausdämmungen sind teure Regierungszwänge, die nichts bringen

Von allen Mythen ist dieser der mit Abstand teuerste – und gehört deshalb auch zu den am heftigsten diskutierten. Aber zwingt die Regierung wirklich zu Hausdämmungen und bewirken sie wahre Schimmel-Origien in den Innenräumen? Nein. Und hier ist die Sachlage ziemlich klar.

Erstens gibt es schlicht nicht so etwas wie einen Regierungszwang, der Hausbesitzer verpflichtet, ihr Haus zu dämmen. Wohl aber gibt es eine Energieeinsparverordnung, die EnEV2016. Die wiederum gibt nur Grenzwerte vor – wenn die durch Baumaterialien und alternative Energien allein erreicht werden, gelten sie ebenso als erfüllt wie durch eine dicke Dämmung. Die einzige echte Pflicht ist die, Dächer oder alternativ die oberste Geschossdecke zu dämmen. 

Und was ist mit der Außenwand? Auch da gibt es keine generelle Dämmpflicht. Diese greift nur bei Bestandsbauten und, ganz wichtig, auch nur dann, wenn mindestens zehn Prozent des alten Wandputzes erneuert werden. Und erneuert bedeutet in diesem Fall bis aufs Gemäuer abgeschlagen. Wer hingegen

  • Risse zuschmiert,
  • den Sockel neu verputzt,
  • das ganze Haus neu verputzt,

ohne vom alten Putz mehr als zehn Prozent abzuklopfen, dem schreibt auch niemand vor, dass er zum Dämmpaket greifen muss. 

Selbst, wenn man bei einem normalen Gebäude alle Register des technisch Machbaren ziehen würde, bekäme man es nicht luftdicht. Zwar ist es richtig, dass moderne Tür- und Fensterdichtungen extrem gut abdichten und ein neues Haus somit dichter ist, aber auch mit einem Dämmpaket vor der Wand sind die Baumaterialien selbst immer noch in der Lage, zu atmen. Wirklich luftdicht sind nur Passivhäuser, doch selbst dabei hat der Dämmstoff nichts mit dem Schimmel zu tun. 

Schimmel entsteht dadurch, dass sich Luftfeuchtigkeit auf kalten Oberflächen niederschlägt. Etwa einer Cola-Dose, die man gerade erst aus dem Kühlschrank genommen hat. Eine gedämmte Wand hingegen ist immer inhärent wärmer, weil die Dämmung davor ist – deshalb kann sich daran auch viel schlechter Feuchtigkeit niederschlagen. Der Schimmel-Mythos resultiert vielmehr daraus, dass moderne Häuser schneller fertiggestellt werden als früher und selbst im Winter weitergebaut wird. Das beim Bauen verwendete Wasser hat dadurch nicht genug Zeit zum Verdunsten. Kombiniert mit der Tatsache, dass viele Hausbesitzer es aus falscher Sparsamkeit mit dem Heizen und Lüften nicht so genau nehmen, kann dann in kühlen Räumen – trotz und nicht wegen der Dämmung – Schimmel entstehen.
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