Naturphänomene

Einschlagkrater: Wo die Erde Narben hat

„Sternenwunden“, nennen Geophysiker die Krater, die Asteroiden oder Meteoriten bei einem Einschlag hinterlassen. Die riesigen Himmelskörper rissen bereits bis zu 300 Kilometer lange Löcher in den Boden. 183 solcher Einschlagskrater sind auf der Erde bekannt.

Einschlagkrater auf einem Felsen

© iStock/isogood

Es war eine der größten Katastrophen der Erdgeschichte: Vor 65 Millionen Jahren krachte ein 15 Kilometer breiter Asteroid auf Mexiko. Überall auf der Erde gingen Gesteinsbrocken nieder, Hitze- und Flutwellen zerstörten alles Leben in einem Umkreis von tausend Kilometern. Staubpartikel verdunkelten den Himmel, ein monatelang andauernder nuklearer Winter folgte. Saurer Regen und Giftstoffe ließen auch die letzten verbliebenen Nahrungsketten zusammenbrechen. Fünfzig Prozent aller Tierarten starben damals aus, darunter auch die Dinosaurier.

Geblieben ist ein Krater – der Chicxulub (sprich: „Tschikschulub“), der berühmteste Krater der Welt. Lange wusste niemand etwas von seiner Existenz, denn er liegt heute unter Tonnen von Sedimentgestein begraben und ist mit bloßem Auge nicht sichtbar. Nur durch Zufall wurde der Chicxulub bei Ölbohrungen entdeckt.

Gewaltige Explosionen, globale Katastrophen

183 Einschlagkrater wurden laut der Earth Impact Database bislang auf der Erde registriert. Das ist vergleichsweise wenig – der Mond hat allein auf seiner erdzugewandten Seite über 30.000 Krater. Dank seiner Atmosphäre ist unser Heimatplanet aber besser vor herumfliegenden Himmelskörpern geschützt. Dennoch musste auch er im Lauf der Geschichte einige verheerende Asteroideneinschläge verkraften.

Wie schwer Asteroiden und Meteoriten die Erde treffen können, hängt von ihrer Größe und Masse, ihrer Geschwindigkeit und ihrer Zusammensetzung ab. Rasen sie mit einigen Tonnen Gewicht auf unseren Planeten zu, verglühen sie nicht mehr in der Erdatmosphäre, sondern krachen fast ungebremst zu Boden. Es kommt zu einer gewaltigen Explosion, bei der irdisches Material vom tausendfachen Volumen des Asteroiden oder Meteoriten in die Atmosphäre geschleudert wird. Der Himmelskörper verglüht dabei meist völlig. Nur in jedem vierten Krater finden sich noch Überreste.

Satellitentechnik bringt verborgene Krater zum Vorschein

Die größte derzeit bekannte Narbe der Erde der Welt befindet sich in Südafrika. Der Vredefort-Krater, etwa 120 Kilometer von Johannesburg entfernt, übertrifft mit seinen Ausmaßen alle bislang bekannten Impaktstrukturen. Der Gesteinsbrocken, der hier vor über zwei Milliarden Jahren ein dreihundert Kilometer langes Loch in den Boden riss, muss Schätzungen zufolge einen Durchmesser von zehn Kilometern gehabt haben. Heute ist davon allerdings nur noch der etwa fünfzig Kilometer breite Vredefort-Ring zu sehen, denn Erosion und Plattentektonik haben die ursprüngliche Struktur im Lauf der Zeit verwischt. 2005 wurde der Krater zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.

Nach dem Vredefort-Krater gilt der Sudbury-Krater in der kanadischen Provinz Ontario als zweitgrößter Krater der Erde. Hier prallte vor etwa 1,8 Milliarden Jahren ein Asteroid auf die Erde, der ein Loch mit einem Durchmesser von knapp 250 Kilometern in den Boden riss. Wie der Vredefort-Krater ist auch der Sudbury durch Erosion stark geschrumpft. Heute hat er eine Mandelform und ist nur noch etwa sechzig Kilometer lang. Nordwestlich des Sudbury-Kraters kam es 37 Millionen Jahre später erneut zu einem Asteroideneinschlag. In dem wesentlich kleineren Loch befindet sich heute ein See, der Lake Wanapitei. Beide Krater kann man bestaunen.

Moderne Technik macht Impaktstrukturen sichtbar

Vredefort und Sudbury zählen zu ältesten bekannten Einschlagkratern Übertroffen werden sie nur noch vom russischen Suavjarvi-Krater, der vor 2,4 Milliarden Jahren entstand. Fast die Hälfte aller bekannten Krater ist jedoch jünger als hundert Millionen Jahre. Etwa ein Drittel von ihnen wurde im Lauf der Zeit verschüttet. Andere Krater aber sind noch so gut erhalten – als hätte der Einschlag erst gestern stattgefunden. Wieder andere vor allem sehr große Impaktstrukturen werden erst mit Satellitentechnik aus dem All sichtbar.

Auch in Deutschland lässt sich ein Einschlagkrater besichtigen: Das Nördlinger Ries an der bayerisch-badenwürttembergischen Grenze entstand vor rund 15 Millionen Jahren durch den Aufprall eines gigantischen, gleißend hellen Meteoriten. Mit einer Kraft von hunderttausend Hiroshima-Bomben fraß er damals ein fast kreisrundes, 24 Kilometer langes Loch in den Boden. Heute sind seine Überreste stark verwittert. Aus der Luft ist die Impaktstruktur gut zu erkennen; vor Ort ist der Kraterring lediglich als lange Hügelkette auszumachen. In den ersten zwei Millionen Jahren nach seiner Entstehung bildete sich ein riesiger Salzsee im Nördlinger Ries, der damals zu den größten Seen Europas zählte.

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