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Industrie 4.0

Digitalisierung globaler Wertschöpfungsketten in der Industrie

Zunehmende Digitalisierung von Produkten, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodellen, die Vernetzung von Personen, Dingen und Maschinen – all das kennzeichnet die vierte industrielle Revolution. Aber was bedeutet es konkret und welche Auswirkungen hat sie auf den Menschen und die Wirtschaft?

© iStock-ktsimage

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Die digitale Transformation beeinflusst längst sämtliche Stufen der industriellen Wertschöpfung – von der Logistik über die Produktion bis hin zur Dienstleistung. Dass das Thema in der Industrie angekommen ist, zeigt eine PwC-Studie aus dem Jahr 2016. Ihr zufolge wird die deutsche Industrie bis 2020 jährlich 40 Milliarden Euro in Industrie 4.0-Lösungen investieren. Doch schon heute hat etwa jedes fünfte Industrieunternehmen Prozesse seiner Wertschöpfungskette digitalisiert. Aber was bedeutet das konkret? Können wir mehr Wachstum und Wohlstand erwarten oder steigt sogar eher die Arbeitslosigkeit?

Das ist Frage, die sich in diesem Zusammenhang wohl jeder stellt: Nehmen uns Computer und Roboter in Zukunft unsere Jobs weg? Carl Benedikt Frey und Michael Osborne von der Oxford University befürchten genau das. In ihrer Studie aus dem Jahr 2016 schreiben sie: „Die meisten Arbeitnehmer in Transport- und Logistikberufen, dazu ein Großteil der Büroangestellten sowie die Arbeit in Produktionsberufen stehen auf dem Spiel.“ Die Ökonomen gehen sogar davon aus, dass sich in den nächsten zwei Dekaden jeder zweite US-Job ersetzen wird. Die Datenbank „Job-Futuromat“ bestätigt diese Tendenz. Sie zeigt, dass Computern oder Robotern bereits jetzt ein knappes Drittel aller Berufe zwischen 50 und 100 Prozent ersetzen könnten. (Eine Übersicht der Berufe, die sich am einfachsten ersetzen lassen finden Sie hier)

Rollenverteilung der Menschen

Alles nur Schwarzmalerei? Jörn Block, Professor für Unternehmensführung an der Universität in Trier, hält dagegen. Er argumentiert, dass sich gar nicht jeder Arbeitsschritt digitalisieren lässt. So haben zwar Prozesse, die immer wieder in der gleichen Art und Weise ablaufen, eine höhere Wahrscheinlichkeit, automatisiert zu werden. Das bedeutet aber nicht, dass der Mensch überflüssig wird: „Der Mensch wird in der Zukunft eine andere Rolle in der Produktion haben als er es heute hat. Es werden auch andere Fähigkeiten von Bedeutung sein, deswegen muss man den Menschen mitnehmen, damit er diese Fähigkeiten entwickeln kann“, sagt Block. 

Auch Prof. Dr. Walter Jakoby von der Fachhochschule Trier ist der Meinung, dass neue Erfindungen auch zwangsläufig neue Jobs kreieren: „Es wird natürlich so sein, dass bestimmte menschliche Tätigkeiten durch Roboter, Geräte und Maschinen ersetzt werden. Aber auf der anderen Seite müssen ja auch die Roboter entwickelt werden, sie müssen programmiert werden, die Einsatzfälle müssen individuell zugeschnitten werden und das wird auch wieder Arbeitsplätze schaffen.“ 

Bedeutung für Deutschland als Produktionsstandort

Ein weiterer Vorteil der zunehmenden Digitalisierung sehen Experten für Deutschland als Produktionsstandort. „Die Digitalisierung, die Industrie 4.0 kann zur Konsequenz haben, dass wir in der Zukunft manche Dinge, die wir jetzt im lohngünstigeren Ausland produzieren, wieder in Deutschland produziert werden“, so der Ökonom Block. Als Beispiel nennt er den Großkonzern Adidas. Mit der neu errichteten SPEEDFACTORY möchte der Sportartikelhersteller die Produktionskapazitäten wieder nach Deutschland bringen. Die adidas SPEEDFACTORY Pilotfabrik wurde bereits im Dezember 2015 in Ansbach errichtet. 

Hier stehen ein halbes Dutzend Maschinen, die Schuhe produzieren. Eine Strickmaschine stellt den Stoff für die Sneaker her, eine weitere schneidet ihn mit einem Laser zu, eine andere wiederum spritzt in der Zeit aus Kunststoffteilen die Sohle und setzt sie zusammen. Für diese Prozesse sind zwar weniger Mitarbeiter nötig. Dennoch: „Das Thema hat auch für die Hochlohnländer die Chance, dass manche Produktionen wieder zurück verlagert werden“, sagt Prof. Block. Hinzukommt, dass etwa 160 neue Arbeitsplätze pro Fabrik entstehen. Damit schafft Adidas neue Jobs, die hierzulande in dieser Form noch gar nicht existieren.

Langfristige Effekte

Dass die Digitalisierung langfristig neue Arbeitsplätze schaffen kann, zeigt auch die Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die Wissenschaftler prüften die Arbeitsnachfrage für den Zeitraum zwischen 1999 und 2010 in 27 EU-Ländern. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Nachfrage nach Arbeit in diesem Zeitraum gestiegen war. Der Grund: Die sinkenden Produktionskosten führten zu sinkenden Angebotspreisen – das wiederum führte dazu, dass die Konsumenten insgesamt mehr Produkte kauften.

Diese positiven Effekte der Digitalisierung bedeuten allerdings nicht gleichzeitig, dass mehr Jobs in der Realwirtschaft entstehen. „Aufgrund kurz- oder mittelfristiger Anpassungskosten infolge von Verschiebungen zwischen Berufen, Sektoren oder Regionen lassen sich die Effekte nicht eins-zu-eins in die Anzahl neuer Arbeitsplätze übersetzen", erklärt Dr. Ulrich Zierahn, Wissenschaftler am ZEW und Mitautor der Studie. Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse aber, dass die Ängste vor der industriellen Revolution unbegründet sind: „Der Mensch [rennt] vielmehr mit anstatt gegen die Maschine", so Zierahn.

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