Finanzen

Digitale Geldbörsen: Wie verwahre ich mein Kryptogeld?

Gold unterm Bett, Scheine im Portemonnaie oder Guthaben auf dem Bankkonto – es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sein Vermögen aufzubewahren. Neu sind sogenannte Wallets, also digitale Geldbörsen, um sein Kryptogeld zu deponieren. Doch wie sicher sind sie vor fremden Zugriff und was sollte man beachten?

© iStock-rclassenlayouts

Eine digitale Geldbörse auf dem Computer, USB-Stick oder Smartphone ermöglicht seinem Besitzer, Waren oder Dienstleistungen im Internet zu bezahlen. Viele halten dort auch einfach ihr Kryptogeld und hoffen auf eine Wertsteigerung, um es dann wieder in Fiatgeld, also Euro, Dollar etc., oder eben eine andere Kryptowährung umzuwandeln. Wer sein Guthaben auf diese Art speichern möchte, kauft beispielsweise per Kreditkarte oder Überweisung Kryptowährungen ein. Und dann liegt das digitale Geld erstmal dort…

Aber wie sicher kann es sein, Unmengen von Geld auf seinem Computer zu horten? Vor allem für Krypto-Neueinsteiger mag diese Vorstellung eher schauderhaft sein – häufen sich doch die Schlagzeilen von Hackergruppen, die digitales Geld stehlen. Dabei ist Kryptowährung in einem Cyberwallet gar nicht unbedingt weniger sicher, als wenn man sein Vermögen zu Hause unterm Bett oder auf einem Bankkonto liegen hat. Es ist wohl eher das Unbekannte, was viele zögern lässt, einen digitalen Safe zu besitzen.  

Das A und O: die Verschlüsselung

Streng genommen speichert eine Wallet nicht das Geld, sondern zwei Schlüssel: den sogenannten private Key (den privaten Schlüssel) und den public Key (den öffentlichen Schlüssel). Der public Key funktioniert wie eine öffentliche Adresse oder lässt sich mit der IBAN eines Bankkontos vergleichen. Diesen Schlüssel identifiziert die jeweilige Wallet und wird z.B. angegeben, um Token auf seine Wallet senden zu lassen. Jeder der den public Key also kennt, kann Kryptowährung dorthin transferieren oder über spezielle Webseiten wie z.B. Etherscan einsehen, wie viele Token in der Geldbörse vorhanden sind.

Der private Key funktioniert hierbei wie ein Login oder Code für einen Safe – jeder der ihn kennt, kann den Safe öffnen und das Geld übertragen oder an sich nehmen. Daher sollte nur der Besitzer selbst diesen Key kennen. Allgemein ausgedrückt ist der public Key dazu da, etwas zu verschlüsseln – der private Key, um etwas zu entschlüsseln. Dass man den privaten Key also so verwahren sollte, dass keiner auf ihn zugreifen kann und er gleichzeitig vor Feuer oder Wasserschäden geschützt sein muss, liegt im Prinzip auf der Hand (mehr dazu später). Vorsicht ist aber vor allem auch bei der Generierung der Keys geboten – denn dies kann ebenfalls online oder offline erfolgen. Daher besteht in diesem Moment schon die Gefahr, dass der Key in die Hände von Hackern kommt. Um das zu vermeiden, muss man verstehen, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, Geldbörsen zu generieren.

© iStock-smshoot

Welche Arten von Wallets gibt es?

Geldbeutel ist nicht gleich Geldbeutel – zumindest gilt das für die digitale Welt. Jeder der Kryptogeld kaufen möchte, sucht in erster Linie nach einem sicheren Ort, das neu erworbene Geld abzuspeichern und hat damit die Qual der Wahl. Doch welche Varianten gibt es? Was ist die sicherste? Und welche Vor- und Nachteile haben die einzelnen Wallets?

Man unterscheidet zwischen Hot und Cold Storage bzw. Wallet. Eine „heiße“ Geldbörse kann man im übertragenen Sinne immer mit sich tragen. Eine „kalte“ Geldbörse hingegen ist eher vergleichbar mit einem Safe, der zu Hause oder in der Bank steht. Grundsätzlich gilt: Wer oft mit seinem Kryptogeld zahlen möchte und häufige Transaktionen durchführt, sollte seine Kryptowallet immer bei sich haben (hot Wallet). Wer hingegen sein digitales Geld langfristig halten möchte und es nur bei einer Wertsteigerung verkaufen möchte – dem sei geraten, einen Safe zu Hause stehen zu haben (cold Wallet).

Hot Wallet

Besitzer einer hot Wallet halten ihr Geld auf einer Hardware (Computer, Laptop, Tablet), die mit dem Internet verbunden ist. Die Wallet wird dann einfach auf das Gerät installiert und kann täglich genutzt werden, um Waren und Leistungen zu kaufen oder Währungen zu transferieren. Ein entscheidender Nachteil ist, dass durch die Verbindung mit dem Internet jederzeit die Gefahr besteht, dass das Gerät gehackt wird. Daher sollte man eine hot Wallet wie eine echte Geldbörse nutzen und nur das Geld dabeihaben, was man für den Moment benötigt und ausgeben möchte. Das Kapital, welches man sparen will, speichert man dann auf der cold Wallet. Achtung: Neben Hackerangriffen kann die Hardware auch beschädigt oder geklaut werden – daher ist es wichtig, eine Sicherheitskopie seines private Keys zu haben, um die Wallet auf einem anderen Gerät wiederherzustellen.

  • Online / Cloud Wallets: Nutzer eröffnen einen Online-Account bei einem Anbieter/einer Börse und haben von jedem Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, Zugang darauf. Achtung: der private Key ist online gespeichert.
  • Desktop / Mobile Wallets: Desktop Wallets werden auf den eigenen PC heruntergeladen (Beispiele: MultiBit, MetaMask, Armory und Jaxx) oder per App auf das Smartphone installiert (Beispiele: MyCelium und CoPay). Daraufhin kann man nur mit dem jeweiligen Gerät auf das Wallet zugreifen. 
  • Multi-Signature Wallets gewähren mehr Sicherheit, indem einer Wallet mehrere Keys zugewiesen werden, die verschiedene Nutzer erhalten. Sie funktionieren wie eine Art Backup, da man die Zustimmung anderer braucht, um Transaktionen durchführen zu können. Diese Art von Geldbörse eignet sich z.B. für Unternehmen mit mehreren Geschäftsführern, die über Transaktionen gemeinsam entscheiden möchten.

Cold Wallet

Cold Wallets sind auf Geräten installiert, die nicht mit dem Internet verbunden sind und somit die beste Wahl für Kryptoinvestoren, die ihre Tokens langfristig (Monate bis Jahre) lagern möchten. Nachteile sind hier vor allem auch Schäden (Feuer, Wasser) oder Diebstahl – dafür sind sie absolut sicher vor Hackerangriffen. Wer mal eben ein paar Coins überweisen möchte, wird schnell merken, dass dies mit der kalten Geldbörse etwas komplizierter ist. 

  • Hardware Wallets sind externe physische Geräte, auf denen man seine Kryptowährung speichert. Sie sind wie eine Art USB-Stick und lassen sich käuflich bei einem Händler seines Vertrauens erwerben. Der Vorteil liegt darin, dass diese Geräte nie mit dem Intenet verbunden waren und daher nicht manipuliert sein können. Dennoch gibt es auch Fälle, wo Verkäufer in betrügerischer Absicht die Hardware so eingerichtet haben, dass sie auch nach dem Verkauf noch darauf zugreifen können. Wer diesen Stress umgehen will, kauft die Hardware am besten direkt beim Hersteller. Dann gilt: Bei Verlust oder Beschädigung lassen sich diese durch den private Key wiederherstellen, daher sollte man auch hier den privaten Schlüssel separat aufbewahren (Beispiele: Ledger Nano S, Trezor, Keepkey).
  • Paper Wallets sind die sicherste Form, sein digitales Vermögen zu halten, denn: Man muss nur auf ein Stück Papier aufpassen. In dem Fall schreibt oder druckt man seine beiden Keys auf ein oder mehrere Papiere, die man sicher verwahrt. Die Nachteile: Die Keys können bei einem Einbruch entwendet werden, Außeneinflüsse können Papier schnell beschädigen und natürlich kann man auch einfach vergessen, wo man seine Keys verstaut hat. Wer ein Paper Wallet einrichten möchte, muss seine Keys online generieren lassen (z.B. über MyEtherWallet) – natürlich besteht auch hier die Gefahr, dass das Programm, das die Schlüssel erstellt, gehackt wird. Wer sich etwas auskennt, kann im html-Code herauslesen, ob das Programm Hacker-frei ist. Wer sichergehen möchte, generiert seine Schüssel offline, notiert sich diese auf Papier und deinstalliert das Programm wieder. Eine genaue Anleitung, wie man sich sichere Paper Wallets generiert, gibt es hier.

Egal, für welche Form von Cyberwallets man sich entscheidet: Man sollte sich vorher genau überlegen, was man mit dem digitalen Geld machen möchte (anlegen oder zahlen) und wie risikofreudig man ist. Tatsache ist: Mal eben in eine Kryptowährung investieren, ist heute nicht mehr möglich, wie es vielleicht vor ein paar Jahren noch war. Es gilt daher, sich vorher mit dem Thema zu beschäftigen und sich bei der Generierung der Wallet genügend Zeit zu nehmen. Und das ist mittlerweile fast genauso aufwendig, wie ein Bankkonto anzulegen. Wichtig: Kryptoanleger sollten auf ihre Keys mindestens so gut aufpassen, wie auf Kreditkarten-Pins oder TAN-Nummern. Und das ist wahrscheinlich die größte und auch wichtigste Gemeinsamkeit der realen und der digitalen Finanzwelt: Ist der Schlüssel weg, ist auch das Geld weg.

Das könnte Sie auch interessieren