Gefährliches Essen

Diese Lebensmittel vergiften unseren Körper

Sie hacken sich in den Blutkreislauf, greifen Organe an und manipulieren Schaltkreise im Gehirn. Die Rede ist nicht von Drogen, sondern von Obst, Gemüse und Fleisch. Body-Transformer nennen Experten die geheime Fracht im Essen. Aber was genau macht welche Lebensmittel zu tickenden Zeitbomben?

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Es ist der größte Prozess in der Geschichte der Lebensmittelindustrie. Auf der Anklagebank: Fett, Zucker und Salz. Der Verdacht: Die drei Stoffe bauen unseren Körper so massiv um, dass sie allein jedes Jahr für weltweit Millionen Tote durch Krebs, Diabetes und Fettleibigkeit verantwortlich sein sollen. Die großen Lebensmittelkonzerne haben längst auf die Anschuldigungen reagiert. Sie versuchen, die drei Angeklagten, so gut es geht, aus der Schusslinie zu nehmen: So werden heute Zigtausende Lebensmittel mit den Stempeln „Light“, „Fettfrei“, „0 Prozent“, „Salzfrei“ oder  „Zuckerfrei“ verkauft. 
 
 Was aber, wenn Fett, Salz und Zucker nicht die einzigen Stoffe sind, die unseren Körper umbauen und vergiften? Was, wenn die wahren Täter noch gar nicht gefasst sind, sondern sich noch millionenfach in scheinbar harmlosen Lebensmitteln verstecken? Und was, wenn diese sogenannten Body-Transformer noch wesentlich gefährlicher sind, als es die drei Angeklagten jemals waren? Genau diese Fragen stellen sich immer mehr Lebensmittel-Profiler und stoßen bei ihren Ermittlungen auf beunruhigende Indizien …

Mikro-Invasoren kapern unseren Körper

Sie tauchen in keiner Kriminalstatistik auf, dennoch sprechen die Zahlen des Robert Koch-Instituts eine klare Sprache: Rund 200.000 Fälle von Lebensmittelvergiftungen registrieren die Food-Ermittler jedes Jahr. Die Dunkelziffer schätzen Experten 20-mal so hoch. Bakterien, Sporen und Pilze – sie alle werden von den Betroffenen unbemerkt über das Essen in den Körper geschleust. Dort legen die Mikro-Invasoren den Kreislauf lahm, manipulieren Schaltkreise im Gehirn oder greifen unsere Organe  an. 
 
So wie auch im jüngsten Fall, bei dem zwölf Dänen in den vergangenen drei Monaten nach einmaligem Verzehr von belastetem Fleisch an einer Listerien-Infektion starben. Und doch sind diese akuten Vergiftungen nur die Spitze des Eisbergs. Anders ausgedrückt: Es handelt sich um Attentäter im Essen, die sofort überführt werden können. Die wesentlich größere Gefahr geht von Stoffen in Lebensmitteln aus, die schleichend unseren Körper vergiften und die erst nach jahrelangem Konsum ihr Zerstörungspotenzial offenbaren.
 
Aspartam, Phosphorsäure, Pestizide oder Acrylamid – jeden Tag nehmen wir mit dem Essen Hunderte Substanzen auf. Sie sind in Pommes, Cola, Fleisch, Obst und Gemüse – auf den Verpackungen getarnt durch kryptische Zahlencodes wie E173 oder E626, sammeln sie sich in unseren Organen an und manipulieren unser Nervensystem. Und das ein Leben lang.

Mehr als 200 chemische Stoffe in einem einzigen Menschen

In einem Langzeitexperiment in den USA wiesen Forscher allein mehr als 200 chemische Stoffe in einem einzigen Menschen nach. Und in Deutschland stellten Wissenschaftler in einer Studie bei sieben von zehn untersuchten Menschen das giftige Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Urin fest. Nur zwei Beispiele, wie die Body-Transformer unseren Körper infiltrieren. Ein weiteres Problem: Viele künstliche Zusatzstoffe verwischen ihre Spuren im Körper, verbergen sich hinter vielen verschiedenen weiteren Ursachen, die Krankheiten wie Krebs, Parkinson oder Depressionen haben können. Aber warum sind in unseren Lebensmitteln diese Zusatzstoffe, die Mayonnaise cremiger, Erdbeeren bakterienresistenter und Chips würziger machen sollen, dann nicht verboten?

Überholte Richtlinien, risikobereite Food-Konzerne

Die Auflösung liefert die sogenannte Acceptable Daily Intake, ADI – die erlaubte Tagesdosis. Sie beschreibt die Menge eines Lebensmittelzusatzstoffes, die bei lebenslanger täglicher Einnahme als medizinisch unbedenklich erachtet wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beschreibt die Ermittlung dieser Tagesdosis wie folgt: „ADI-Werte stützen sich auf eine  wissenschaftliche Überprüfung sämtlicher bis dato verfügbaren toxikologischen Daten zu einer bestimmten chemischen Substanz.“ 
 
Kritiker bemängeln jedoch, dass ADI-Werte einzig auf Tierversuchen basieren, die die Industrie in der Regel selbst vorgenommen hat – und auf einem Prinzip aus dem 16. Jahrhundert: Die Dosis macht das Gift. Darüber fällt Erik Millstone, Professor für Wissenschaftspolitik an der University of Sussex ein vernichtendes Urteil: „Die erlaubte Tagesdosis ist kein wissenschaftliches Konzept. Denn dieser Wert beschreibt nicht die Höhe des Risikos, sondern lediglich seine Hinnehmbarkeit.“ Aber warum gehen die Food-Konzerne dann dieses Risiko ein?

Manipulation im Gehirn

Die Antwort auf diese Frage ist so einfach wie erschreckend: Viele Stoffe beeinflussen die Botenmoleküle in unserem Körper, sie verändern unser Hungergefühl, programmieren das Gehirn um. Ein gutes Beispiel dafür sind Stapelchips. Für den Geschmack sorgt hier vor allem der Zusatzstoff Mononatriumglutamat (MNG). In hohen Dosierungen ist MNG ein Nervengift, allerdings schützt die Blut-Hirn-Schranke unser Gehirn vor dem Stoff. Es gibt nur ein Problem: Die Schranke hat eine Lücke. Die Zentrale unseres Hormonsystems wird nicht geschützt. Und dieses System regelt auch unseren Hunger. Die Folge: MNG macht uns dauerhungrig – wir essen mehr.

Frisch auf der Anklagebank: Künstliche Zusatzstoffe

Das sind gute Nachrichten für die Nahrungsmittelproduzenten – jedoch katastrophale für uns. Jedes Jahr sterben Millionen Menschen an Krankheiten, für deren Auftreten es einen Zusammenhang mit der Ernährung gibt, etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine Reihe von Krebsarten.  Dafür waren bislang die Hauptverdächtigen Fett und Zucker. Millstone sieht dagegen die Schuld bei den künstlichen Zusatzstoffen: „Industrienahrung ist ein globales Megaexperiment, und es geht offensichtlich schrecklich schief.“ Dabei gilt für alle Zusatzstoffe: „Sie sind für unsere Ernährung vollkommen überflüssig“, erklärt der Molekularbiologe Konrad Beyreuther. 
 
Tatsächlich ist unser Körper auf keines dieser Mittel vorbereitet, denn ihre Existenz ist von der Natur schlicht nicht vorgesehen. Deshalb kann auch niemand genau sagen, wie viele „Zeitbomben“ in jedem von uns ticken. Sicher ist lediglich, dass mit der Zeit die ersten „Explosionen“ verzeichnet werden: Die Zahl der Diagnosen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten in der EU ist rasant gestiegen. Auch als Ursache für ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) wird immer wieder die Ernährung genannt. Diese Störung tritt immer häufiger auf – ebenso wie Allergien. Bis die  Lebensmittel-Profiler jedoch endgültig die Beweise für das langfristige Zerstörungspotenzial der Zusatzstoffe erbringen können, sitzen nur die drei Hauptverdächtigen Fett, Salz und Zucker auf der Anklagebank …

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