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Bodenschätze

Die Sanduhr tickt: Gibt es bald keine Strände mehr?

„Das gibt’s ja wie Sand am Meer“: Diese Redewendung trifft auf Vieles zu – auf Sand vielleicht bald nicht mehr. Experten warnen: Die Sandvorräte unserer Erde könnten in mittlerer Zukunft erschöpft sein. Dann würden ganze Strände und sogar Inseln von der Erdoberfläche verschwinden. Kaum vorstellbar? Mancherorts ist dieses Szenario bereits Realität.

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Mit dem Stichwort „Sand“ verbinden wir hauptsächlich unseren nächsten Sommerurlaub am Strand. Nur äußerst selten denken wir im Alltag daran – und dennoch ist Sand fast überall: in Glas, Zahnpasta, Haarspray, Nahrungsmitteln und Elektrogeräten. Vor allem ist der Rohstoff aber ein wichtiger Bestandteil in Stahlbeton, welcher beispielsweise dem Bau von Gebäuden dient.

Sandhunger der großen Metropolen

Und hier beginnt das Problem: Je mehr Menschen in den großen Metropolen der Welt wohnen, umso höher müssen die Häuser werden, da der Platz begrenzt ist – umso mehr Sand wird auch benötigt. Rund 200 Tonnen sind für den Bau eines mittelgroßen Hauses nötig, 3.000 Tonnen Sand fließen in den Bau eines größeren Gebäudes, wie etwa ein Krankenhaus. Der Inselstaat Singapur in Südostasien ist ein abschreckendes Beispiel für übertriebenen Sandhunger: Hier fließt die wertvolle Ressource nicht in den Bau neuer Wolkenkratzer, sondern auch in die Küsten. Nur so kann das Staatsgebiet – und damit die Wohnfläche – erweitert werden. Während sich beispielsweise die Stadt München problemlos in das ländliche Umland ausdehnen kann, schüttet Singapur seine Küsten mit Sand auf. Seit den 60er Jahren hat sich der Inselstaat damit um 20 Prozent vergrößert. Täglich sind das etwa 700 Lkw Sand.

Bergbau im Meer

Große Schwimmbagger holen das „hellbraune Gold“ aus dem Meer ringsum Singapur – aus Tiefen von bis zu 155 Metern. Das hat weitreichende Folgen: Vor der benachbarten Küste Indonesiens sind bereits 83 Inseln buchstäblich dahingeschmolzen, wie Eisschollen in der Antarktis. Denn die Entnahme von Sand am Strand oder im Meer stört das natürliche Gleichgewicht ganz massiv: Dadurch dass das Meer den Sand hinein- und hinausspült, frisst es die Strände geradezu auf. Hinzu kommt, dass die „Sand-Piraten“ unzählige Lebewesen am Meeresgrund töten, Korallenriffe und ganze Ökosysteme zerstören. Dass Singapurs Nachbarstaaten Indonesien, Kambodscha und Vietnam mittlerweile den Sandexport verboten haben, hält den Abbau nicht auf: Der illegale Sand-Schmuggel boomt.

Wüstensand ist keine Alternative

Manch einer mag denken: Liegt nicht eigentlich genug Sand in der Sahara herum? Mit mehr als neun Millionen Quadratkilometern ist sie immerhin die größte Wüste der Welt. Doch der Wüstensand ist keine Option für die Betonindustrie: Ständig ist er dem Wind ausgesetzt, der die Sandkörner abrundet. Der Sand aus dem Meer ist kantiger und hat eine rauere Oberfläche. Dadurch hält er den Beton auf natürliche Weise besser zusammen. Das erklärt auch, warum beispielsweise Dubai trotz seiner Wüsten von Sandimporten aus Australien abhängt.

Von Menschenhand geschaffen …

Immer häufiger bedienen sich Lkws an der Wüste, um Kunststrände oder gar neue Inseln zu schaffen. Dort wo die Natur es nicht so gut mit Badeurlaubern gemeint hat, hilft der Mensch nach: Sei es in der Stadt, wie an der Spree in Berlin, oder an den steinigen Küsten der portugiesischen Insel Madeira. Die größte Region, in der künstlich aufgespülter Sand ganze Inseln aus dem Meeresboden schießen lässt, ist die Palmeninsel „The Palm, Jumeirah“ vor der Küste Dubais. Für diese Inseln wurden mehr als 100 Millionen Kubikmeter Sand und Gestein verwendet.

… von natürlichen Kräften wieder genommen

Jedoch sind die künstlichen Strände und Inseln aus Wüstensand nicht immer von Erfolg gekrönt, wie das Beispiel Waikiki Beach auf Hawaii zeigt. So sollte der berühmte Strand von 520 Meter Länge nach Plänen aus dem Jahr 2010 seine einstige Breite aus dem Jahr 1985 zurück erhalten. Doch der neu aufgeschüttete Sand war zu feinkörnig – und wurde innerhalb weniger Tage ins Meer weggeschwemmt.

Aus Gestein wird Sand

Aber warum kann die Natur den begehrten Sand nicht einfach nachproduzieren? Dazu muss man zu dem Ursprung des Meeressandes zurückgehen und sich die Frage stellen: Wie entsteht diese unscheinbare und doch so kostbare Ressource? Sand ist nichts anderes als fein geschliffenes Gestein. Fernab der Strände bahnen sich mit Hilfe der Kraft von Wind und Wasser die immer feiner werdenden Steine von Granit oder Sandstein einen Weg zum Meer. Tausende von Jahren kann es dauern, bis aus den einst dicken Gesteinsbrocken ein feiner weicher Sand entsteht, der an die Küsten gespült wird. Aber auch hier hat der Mensch wieder im natürlichen Gleichgewicht herumgepfuscht. Massive Flussdämme auf der ganzen Welt versperren dem Sand den Weg zum Meer. 845.000 Dämme gibt es weltweit, hinter denen der Sand gefangen bleibt – und zwar ein Viertel der weltweiten Sandreserven.

Alternativen zu Sand

Um den Sandhunger der großen Metropolen einzudämmen, arbeitet die Bauindustrie bereits an alternativen Bauweisen ohne Beton. Die Gebäude der Zukunft bestehen aus recycelten Glas- oder Plastikflaschen in Verbindung mit komplett kompostierbaren Dämmmaterialien, beispielsweise aus Holzspänen oder alten Zeitungen. Auch Gebäude aus Stroh lassen sich ohne Zement bauen; und aus dem alt bewährten Baumaterial Holz entstehen längst nicht mehr nur kleine Ökoschuppen, sondern wahre architektonische Meisterwerke.

Kunstsand aus Glasabfall

Wie die Zukunft künstlicher Strände aussehen könnte, zeigt sich bereits in den USA: Ein als Glass Beach bezeichneter Strand in Nordkalifornien ist komplett aus Müllablagerungen entstanden – das Meer hat den Glasabfall schlichtweg rundgewaschen. Während der amerikanische Recycling-Strand aber vor allem eine Touristenattraktion ist, zeigen die vielen Beispiele alternativer Bauweisen: Es gibt erste Lösungen, die Sandvorräte unserer Erde zu schützen, so dass die feinkörnigen Schätze auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben. Aber die Uhr tickt, denn bisher denkt noch kaum jemand daran, dass uns der Sand ausgehen könnte.
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