Geschichte

Das Massaker von München: Gedenken an das Olympia-Attentat

Die Olympischen Spiele in München im Jahr 1972 begannen als buntes, fröhliches Fest – und endeten in einem Drama, bei dem 17 Menschen ums Leben kamen. Am 5. September jährt sich das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft zum 46. Mal.

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Es ist der 26. Augst 1972, als der Leichtathlet Günter Zahn mit der Fackel in der Hand das Münchner Olympiastadion erreicht. Mit den ersten Olympischen Sommerspielen nach dem Zweiten Weltkrieg will Deutschland ein Zeichen setzen: Der ganzen Welt soll deutlich gemacht werden, dass Deutschland - anders als 1936 unter Hitler - nun ein weltoffenes, fröhliches und gastfreundliches Land ist. Doch es kommt anders.

Zehn Tage lang feiert München ein ausgelassenes und heiteres Fest. 122 Mannschaften mit über 7.000 Athleten sind in diesem Jahr zu den Olympischen Spielen angereist - ein neuer Rekord. Die Sicherheitsmaßnahmen sind locker, um keinen Preis will man den Eindruck von 1936 erwecken. Die Polizisten tragen legere Kleidung, viele sind sogar unbewaffnet. Die Spiele scheinen ein voller Erfolg zu werden - bis zum 5. September 1972.

Drama vor den Augen der Welt

Es ist früher Morgen, kurz nach vier. Acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation "Schwarzer September", als Sportler verkleidet, dringen in das Apartment der israelischen Olympiamannschaft ein. Mit Sturmgewehren bewaffnet überwältigen sie elf israelische Athleten. Für die Freilassung ihrer Geiseln fordern sie die Freilassung und das freie Geleit von 232 Palästinensern, außerdem von den deutschen RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof und von dem japanischen Terroristen Kozo Okamoto.

Die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir lässt sich auf eine Erpressung nicht ein. Stattdessen macht die deutsche Regierung einen Gegenvorschlag: Der Bürgermeister des Olympischen Dorfes Walther Tröger, NOK-Präsident Willi Daume, Polizeipräsident Manfred Schreiber sowie der bayerische Innenminister Bruno Merk als auch der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher bieten sich als Ersatzgeiseln an. Doch die Geiselnehmer lassen nicht mit sich reden.

Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Eine Befreiungsaktion scheitert, weil die Polizei vergisst, den Geiselnehmern den Strom für das Apartment abzustellen, in dem sie sich verschanzt halten. Über Funk und Fernsehen können sie sich nun bequem über die anvisierten Schritte der Polizei informieren. Als die Geiselnehmer daraufhin einen Ausflug nach Kairo fordern, plant man, sie am Flughafen zu überwältigen. Doch auch das misslingt. Die Polizei hat nicht genügend Scharfschützen im Einsatz; die Verstärkung bleibt auf dem Weg zum Flughafen im Stau stecken. Es kommt zu einem Feuergefecht.

Gedenken an die Opfer

Die Geiselnahme endet in einem Fiasko. Alle elf israelischen Geiseln sterben. Auch ein deutscher Polizist und fünf Terroristen finden den Tod. Viele der Polizisten, die an der Befreiung beteiligt sind, werden im Gefecht mit den Terroristen verletzt. Bis heute sind die genauen Hintergründe der Terroristen nicht geklärt. Bei nachfolgenden israelischen Vergeltungsaktionen werden 16 Palästinenser getötet. 14 von ihnen hatten direkt oder indirekt mit dem Anschlag zu tun; zwei waren unschuldig.

Trotz vereinzelter Proteste und Diskussionen entscheidet man sich, die Olympischen Spiele zu Ende zu führen. "Es ist schon so viel gemordet worden - wir wollten den Terroristen nicht erlauben, auch noch die Spiele zu ermorden", sagt Willi Daume damals. Tatsächlich reisen nur wenige Athleten ab. Der Opfer wird in einer großen Trauerfeier im Münchner Olympiastadion gedacht. Nur wenige Wochen später gründet Deutschland die GSG3, eine Eliteeinheit, die sich auf die Befreiung bei Geiselnahmen spezialisiert hat.

2017, 45 Jahre danach, wurde die Gedenkstätte "Einschnitt" im Münchner Olympiapark eröffnet. Davor erinnerten nur zwei Gedenktafel an das Attentat. Auf einer Gedenktafel im Olympiapark heißt es: "Während der Spiele der XX. Olympiade in München erlitten elf israelische Sportler und ein deutscher Polizeibeamter am 5. September 1972 durch einen terroristischen Anschlag einen gewaltsamen Tod." Darüber steht: "Grenzstein des Lebens, nicht der Idee."

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