Das große Sterben: Wie Napoleon in der Völkerschlacht besiegt wurde

Vor über 200 Jahren wütete der Krieg zwischen Napoleons Truppen und den verbündeten Armeen aus ganz Europa. In der entscheidenden Schlacht bei Leipzig wurde das französische Heer schließlich besiegt – nach tagelangen, erbitterten Kämpfen.

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Über eine halbe Millionen Soldaten, mehrere Tage andauernde erbitterte Kämpfe, mehr als hunderttausend Gefallene und Verwundete: Die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 war bis zum Ersten Weltkrieg das größte Gefecht, das jemals in Europa stattgefunden hatte. Hundert Jahre später wurde 1913 das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht, das größte Denkmal in Deutschland und eines der größten in ganz Europa. 
 
Als am 19. Oktober 1813 der Pulverdampf verzogen und der erste Siegestaumel abgeebbt war, muss sich den Überlebenden der Völkerschlacht bei Leipzig ein Bild des Grauens geboten haben: mehr als neunzigtausend Tote, etwa dreißigtausend Verwundete, Dörfer geplündert, zerstört, niedergebrannt. Seuchen breiteten sich aus. Bis alle Toten begraben waren, gingen Monate ins Land. Der Sieg der Bündnispartner Russland, Österreich, Preußen und Schweden über die Truppen des französischen Kaisers Napoleon I war hart erkauft. Aber er bildete auch einen Grundstein für die Neuverteilung der Macht in Europa, für ein Ende der napoleonischen Herrschaft.

Vereint gegen Frankreich

Im Dezember 1804 hatte sich Napoleon Bonaparte eigenhändig zum Kaiser Napoleon I gekrönt. Während der folgenden Jahre sicherte er Frankreich mittels militärischer Expansion, politischer Zwangsbündnisse und einer strategischen Heiratspolitik die Vorherrschaft über große Teile Europas. 1812 jedoch, nach der herben Niederlage der französischen Truppen beim Russlandfeldzug, bekam der Mythos von Napoleons Überlegenheit auf dem Schlachtfeld erste Risse. Seine Gegner holten zum gemeinsamen Schlag aus. Preußen und Russland schlossen Ende Februar 1813 ein Bündnis und riefen zum Befreiungskrieg gegen Frankreich auf. Anfangs folgten wenige Staaten – erst nur das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin, dann aber auch Schweden und Großbritannien. Das Blatt wendete sich endgültig, als im Spätsommer des Jahres Österreich der Allianz beitrat, nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Frankreich.
 
Im August und September fügten die Verbündeten den napoleonischen Truppen eine Niederlage nach der anderen zu, sodass diese im Oktober 1813 in der Nähe von Leipzig zusammengezogen wurden, um ihre Kräfte zu bündeln. Und genau dort sollte es zur entscheidenden Schlacht kommen, die später als Völkerschlacht in die Geschichte einging. Zwischen dem 16. und dem 19. Oktober wüteten in den Dörfern rund um Leipzig heftige Kämpfe, die mit dem überstürzten ungeordneten Rückzug der französischen Truppen endeten. Nach dieser Niederlage schwand der Einfluss Napoleons. Die Staaten des Rheinbundes kündigten ihm ihre Gefolgschaft auf, auch in Frankreich selbst wuchs der Widerstand. Im April 1814 musste Napoleon Bonaparte schließlich abdanken und wurde ins Exil auf Elba verbannt. Obwohl er noch einmal die Herrschaft an sich riss, schafft er es nicht mehr, sich selbst oder Frankreich zu alter Größe zu führen.

Stein gewordene Erinnerung

Schon am ersten Jahrestag des Sieges über die französischen Truppen wurden in Preußen und anderen deutschen Staaten Erinnerungsfeiern abgehalten – eine Mischung aus traditionellem monarchischem Fest und Kirmes mit Militärparaden und Tanzveranstaltungen am Abend. Die Menschen feierten ausgelassen das Ende des Krieges, das Ende der französischen Herrschaft. In den Siegesjubel mischten sich nationalistische Untertöne, auch eine Folge der Kriegspropaganda. Der Ruf nach einem deutschen Nationalstaat wurde lauter, die Völkerschlacht bei Leipzig zum Volkskrieg oder zur Nationalen Erhebung stilisiert. Es bildeten sich vaterländische Vereine und nationalistische Gesellschaften, die schon früh anregten, ein Monument für die gefallenen Soldaten zu errichten. Politisch war dies allerdings nicht gewollt. Erst 1898 wurde in Leipzig der Grundstein für das Völkerschlachtdenkmal gelegt. Den Anstoß gab der Deutsche Patrioten-Bund, der den Bau mit Spenden und den Einnahmen aus einer eigens eingerichteten Lotterie finanzierte. Der Entwurf für das Denkmal stammte von Bruno Schmitz, einem Berliner Architekten, der auch das Kyffhäuserdenkmal entworfen hatte. Am 18. Oktober 1913, hundert Jahre nach dem Sieg über Napoleon, wurde das Völkerschlachtdenkmal schließlich eingeweiht. Auch heute noch ist der Bau aus Granitporphyr und Beton mit seinen 91 Metern Höhe das größte Denkmal Deutschlands. Trutzig steht es vor einem länglichen Becken, dessen Wasser die vergossenen Tränen um die Opfer der Gefechte symbolisieren soll. 

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