Das Angst-Experiment: Wie erschafft man die totale Kontrolle?

Täglich führen sie Tausende Experimente durch – die Datenanalysten von Facebook. Unser Alltag ist zu einem Testfeld und Millionen Menschen zu Versuchsobjekten geworden – ohne davon das Geringste zu ahnen. WdW deckt die drastischsten Fälle auf. Diese Woche: Das Angst-Experiment.

Drohnen

© Imago/Science Photo Library

Wie hackt man sich in die Psyche von Tausenden Einwohnern, ohne auch nur einmal ihre Stadt betreten zu haben? Wie manipuliert man ihr Verhalten, ohne auch nur ein einziges Mal mit ihnen Kontakt aufgenommen zu haben? Und wie kann man das gesamte öffentliche Leben einer Region und sogar die Gesundheit der Bewohner verändern?

Todesengel über Miran Shah

Was klingt, wie eine unmögliche Mission, ist der US-Regierung jetzt gelungen. Schauplatz dieses hochumstrittenen Experiments ist Miran Shah, eine pakistanische Grenzstadt. Noch vor wenigen Jahren war sie ein Ort des Friedens, heute ist davon nichts mehr zu spüren. Die Straßen sind verlassen, viele Menschen leiden unter Panikattacken. „Die Verkaufszahlen von Antidepressiva und Beruhigungsmitteln sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert“, erklärt der dort ansässige Apotheker Hajji Gulab Jan Dawar. Es ist, als ob sich ein unsichtbares Virus in der Stadt ausgebreitet und tief in die Köpfe der Menschen gefressen hätte.

Der Grund ist jedoch ein anderer: An keinem anderen Ort der Welt fanden bis heute mehr US-Drohnenangriffe statt als dort. Mindestens 80 Menschen sind bei den Angriffen aus der Luft bereits getötet worden. Hunderte Bewohner wurden verletzt. Die Bewohner wissen mittlerweile: Jeder Spaziergang, jeder Besuch auf dem Marktplatz, jede Fahrt zum Postamt kann tödlich sein. Es ist ein Leben im Fadenkreuz – das die Psyche der Menschen manipuliert. „Die Drohnen über unserer Stadt sind wie Todesengel. Nur sie wissen, wann sie wo zuschlagen und welches Leben sie auslöschen“, erklärt der Ladenbesitzer Nazeer Gul aus Miran Shah.

Bald auch in Deutschland?

Tatsächlich verrät einzig das leise Brummen in der Luft, dass sie da sind. Ob die unbemannten Flugmaschinen jedoch gerade nur Aufklärungsarbeit leisten oder ob hier in den nächsten Sekunden eine tödliche Rakete einschlagen wird, weiß keiner der Bewohner. Es ist genau diese Ungewissheit, diese Angst, dass es jeden jederzeit und überall treffen kann, durch die die USA nun die totale Kontrolle über eine ganze Stadt haben – ohne dass auch nur ein Soldat einen Fuß auf den Boden von Milan Shah gesetzt hat.

Das Experiment hat somit gezeigt: Das Wirkungspotenzial von Drohnen ist wesentlich größer als bisher gedacht. Noch mehr als Terroristenkiller eignen sich Drohnen als psychologische Waffe, mit deren Hilfe man eine ganze Zivilbevölkerung als Geisel nehmen kann. Trotzdem will sich jetzt auch die deutsche Bundesregierung an dem Drohnen-Experiment beteiligen – und ebenfalls bewaffnete Drohnen in Kampfgebieten einsetzen.

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