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Zwangsarbeit

Brutale Realität: Sklaverei ist ein Phänomen der Gegenwart

Erschreckende Fakten: Noch nie arbeiteten mehr Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen wie heute. Schätzungen gehen von 27 Millionen modernen Sklaven aus – bei einer hohen Dunkelziffer. Wissenschaftler haben ein Programm entwickelt, mit dem jeder im Internet berechnen kann, wie viele Sklaven er mit seinem Lebensstil selbst „beschäftigt“.

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Sklaven? Gibt es die heute überhaupt noch? Schließlich haben die Vereinten Nationen 1956 die Sklaverei abgeschafft. Und schon 1815 hat der Wiener Kongress den Sklavenhandel geächtet. Doch das Thema ist nicht nur wegen der Oscar-Nominierungen für „Django Unchained“ und „Lincoln“ wieder ins kollektive Bewusstsein gerückt. Fakt ist: Heute leben mehr Menschen in Sklaverei als je zuvor. Weltweit, so schätzt die Organisation Anti Slavery International, werden 27 Millionen als Sklaven ausgebeutet. Terre des hommes spricht davon, dass allein 250 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten – und nicht alle freiwillig.


Erschreckender Selbsttest

Wissenschaftler haben ein Programm entwickelt und ins Internet gestellt, mit dem jeder selbst berechnen kann, wie viel Sklavenarbeit seinen persönlichen Lebensstil ermöglicht. Es sind nur ein paar Klicks, weniger als zehn Minuten Zeitaufwand – und es bringt Erschreckendes zutage: Auf der Internetseite  http://slaveryfootprint.org/ kann jeder ausrechnen, wie viele Sklaven er „beschäftigt“. Slaveryfootprint hat die Herstellung von mehr als vierhundert alltäglichen Konsumgütern durchgecheckt – und dabei minimal oder unterbezahlte Arbeit, Kinderarbeit und Zwangsarbeit unter Gewaltanwendung nachgewiesen. Betreiber der Seite ist eine Non-Profit-Organisation, die zusammen mit einer Abteilung des US-State Department auf das Problem aufmerksam machen und es bekämpfen will. Die Vereinten Nationen definieren Sklaverei heute so: „Die Anwerbung, Beförderung oder Beherbergung von Personen muss unter Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung wie beispielsweise Entführung oder Täuschung gegeben sein." Auch der Zweck der Ausbeutung ist entscheidend. Sie umfasst die Ausnutzung von Personen durch Prostitution, Zwangsarbeit, Organentnahme oder Ähnliches.


Sklaven schuften für unseren Lebensstandard

Millionen Menschen weltweit haben den Selbsttest von Slaveryfootprint schon gemacht. Das Ergebnis: Durchschnittlich „beschäftigt“ jeder Nutzer 38 Sklaven. Aber wofür? In welchen Branchen werden heute noch Zwangsarbeiter eingesetzt? Vor allem in der Rohstoffgewinnung für die Produktion von Massengütern gibt es Sklavenarbeit. In den Minen Afrikas, Asiens und Südamerikas graben Männer, Frauen und Kinder nach wertvollen Rohstoffen für Elektronikartikel: Wolfram für Kabel, Gold für Mikrochips, Zinn für Verbindungen, Coltan für Kondensatoren. In jedem DVD-Spieler, Fernseher, Laptop oder Mobiltelefon sind diese Edelmetalle heute unverzichtbar. Nun steckt aber nicht in jedem Computer Sklavenarbeit. Die meisten Hersteller versprechen sogar, dass für ihre Produkte keine Menschen ausgebeutet werden. Doch so genau können sie das gar nicht wissen. Die Verarbeitungskette vom Bergbaustollen bis zum Elektronikfachhandel ist lang und vor allem unübersichtlich.
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Kinderarbeit auf Baumwollfeldern

Heimelektronik ist ein wichtiger Faktor beim Sklaven-Selbsttest. Ein anderer: Kleidung. Eine Studie des US-Arbeitsministeriums hat zum Ergebnis, dass in 16 Ländern weltweit bei der Baumwollernte Sklaven eingesetzt werden. In Usbekistan bekommen zwei Millionen Kinder zur Erntesaison schulfrei – aber nicht, um sich im Freibad zu sonnen, sondern weil sie bei der Ernte helfen müssen. Mit Bussen werden sie zu den Feldern gebracht, hausen in engen Baracken und bekommen keinen Lohn. Die Aktion ist sogar vom Staat angeordnet. 50 Kilogramm Baumwolle muss ein Kind an zehn Stunden pro Tag pflücken. Große Bekleidungshäuser in Deutschland boykottieren deshalb schon seit einiger Zeit Baumwolle aus der ehemaligen Sowjetrepublik.

Sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse in reichen Ländern

Es sind aber nicht nur Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen Menschen ausgebeutet werden. Japan und die USA sind die berühmtesten Industrienationen auf der schwarzen Liste von Slaveryfootprint. Mais, Kupfer, Gold, Sojabohnen, Quarz und Cadmium werden in diesen Ländern teilweise unter sklavenähnlichen Bedingungen abgebaut oder produziert. Ganz oben auf der Liste für Sklavenarbeit steht China.

Was jeder dagegen tun kann

Was kann man gegen Sklavenarbeit tun? Bestimmte Produkte gar nicht mehr kaufen? Laut UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, bringt ein Boykott allein nichts. Zumindest nicht im Bereich der Kinderarbeit. Viele Familien sind nämlich darauf angewiesen, dass ihre Kinder mitverdienen, um zu überleben – selbst wenn der Lohn vollkommen ungerecht ist und die Bedingungen menschenunwürdig sind. Und auch die Bergleute in Südamerika betonen, dass sie ihren Job brauchen – sich die Arbeitsbedingungen aber verbessern müssen. Am effektivsten ist es, Druck auf Firmen und Regierungen auszuüben. Über http://slaveryfootprint.org/ kann man zum Beispiel E-Mails direkt an die Hersteller von Alltagsgegenständen schicken. Darin werden sie aufgerufen, das Material für ihre Produkte sorgfältig zu kontrollieren, die Arbeitsbedingungen zu überprüfen und zu verbessern. Wie für den Test sind auch dafür nur ein paar Klicks und wenige Minuten Zeit notwendig.

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