Psychologie

Autosuggestion: Wie mächtig sind unsere Gedanken?

Geld, Erfolg, Liebe: Zahllose Bücher und Mentaltrainer behaupten, wir könnten alles erreichen, wenn wir nur fest genug daran glauben. Aber funktioniert das wirklich?

© iStock/Zastavkin

Die Botschaft der zahllosen Ratgeber-Bestseller ist immer dieselbe: Glaube nur fest genug an dich und deine Ziele, und du wirst tatsächlich erfolgreich sein. „Autosuggestion“ lautet der Fachbegriff für diese Technik, die bis heute von zahlreichen Motivationstrainern angewandt wird. Denn, so die Idee, wer sich selbst nur oft genug sagt „Ich sehe gut aus und habe viele tolle Ideen“, dessen Unterbewusstsein speichert die Botschaft irgendwann ab und setzt sie in reales Handeln um.

Die Macht der Überzeugung

Autosuggestion wurde schon vor Jahrtausenden praktiziert. Systematisch hat sich allerdings erst ein französischer Apotheker im 19. Jahrhundert damit beschäftigt: Emile Coué stellte fest, dass seine Medikamente bei Patienten unterschiedlich wirkten, je nachdem, was er ihnen zuvor über die Heilkraft der Mittel erzählt hatte. So konnte er beispielweise einen Schwerkranken mit einem eigentlich belanglosen Präparat heilen, nur weil dieser unbedingt an die Wirksamkeit des Medikaments glaubte. Vom Erfolg seiner Methode überzeugt, begann Coué schließlich, kostenlose Sitzungen für Kranke abzuhalten. Die Patienten sollten dabei regelmäßig einen positiven Satz wiederholen und an ihn denken. Und es funktionierte: Die Autosuggestion Coués führte zu hunderten Spontan-Heilungen. Der Apotheker schrieb sich den Erfolg nicht selbst auf die Fahnen, sondern betonte, dass nicht er, sondern die Patienten sich selbst geheilt hätten – allein durch ihr positives Denken.
Doch woran liegt das? Das, was wir als Wirklichkeit bezeichnen, ist das Produkt unserer Wahrnehmung. Oft ist die stark durch unsere Vergangenheit geprägt. Hört ein Kind zum Beispiel von allen Seiten, dass es nichts kann, betrachtet es sich schließlich selbst als Versager. Und das kann dazu führen, dass dieser Mensch tatsächlich scheitert – ob in der Schule oder später im Beruf. Mit der Technik der Autosuggestion soll es möglich sein, solche oft unbewussten Muster quasi „umzuprogrammieren“. Negative Gedanken sollen durch neue, positive Denkmuster ersetzt werden.

Allheilmittel Autosuggestion? 

Tatsächlich kann allein der Glaube manchmal Berge versetzen. Aus der Medizin, vor allem aus der Placeboforschung, sind zahlreiche solcher Fälle bekannt. Glaubt ein Patient nur, ihm werde ein wirksames Präparat verschrieben, fühlt er sich schlagartig besser – auch wenn er in Wahrheit nur schlichte weiße Zuckerpillen ohne Wirkstoff verabreicht bekam. Auch autogenes Training hat sich als Entspannungstherapie bewährt. Und in der Psychologie kann es bereits hilfreich sein, negative Denkmuster als solche zu erkennen und stattdessen neue Ziele zu formulieren.

Doch Autosuggestion funktioniert nicht immer – und ist kein Allheilmittel. Ernste psychische Störungen, Zwänge oder Süchte lassen nicht allein durch „Positives Denken“ heilen. Schlimmer noch: Stellt sich trotz intensiver Übung kein Erfolg rein, quälen Betroffene sich häufig mit Selbstvorwürfen. Denn jeder Fehlschlag, jede Bruchlandung geht dann scheinbar darauf zurück, nicht positiv genug gedacht zu haben, nicht wahrhaft überzeugt gewesen zu sein. Das Gefühl, versagt zu haben, wiegt doppelt schwer. Und: Auch negative Gedanken und Gefühle gehören zum Alltag. Wer glaubt, immer gut drauf sein zu müssen, toll aussehen und immer alles erreichen zu müssen, der scheitert an seinen eigenen Ansprüchen, wird im Zweifelsfall sogar krank.

Deshalb sollte Autosuggestion nicht überschätzt werden – das wusste schon ihr Begründer Coué. Und bei schwerwiegenderen Problemen ist dann doch oft ein Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten anzuraten.

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