Weltgeschichte

Auf den Spuren der großen Entdecker: Was treibt Pioniere an?

Die großen Entdecker der Geschichte waren ihrer Zeit immer ein Stück voraus. Was treibt die Menschen seit Jahrtausenden in die Ferne?

Landkarte mit Lupe und weiteren Werkzeugen

© iStock/sbelov

Im April des Jahres 1336 bestieg Francesco Petrarca den windumtosten Mont Ventoux. Seinen Worten zufolge habe er den schroffen Berg in der Provence erklommen, „einzig von der Begierde getrieben, diese ungewöhnliche Höhenregion mit eigenen Augen zu sehen“. Seit dieser touristischen Pionierleistung gilt der bedeutende italienische Dichter und Humanist als Begründer des Bergsteigens.

Wirtschaftliche Interessen standen oft im Vordergrund…

Scheinbar ohne jeglichen sachlichen Zweck war dieser gefahrenvolle Aufstieg im 14. Jahrhundert noch auf allgemeines Unverständnis gestoßen. Denn wer sich damals auf Reisen begab, verfolgte eigentlich konkrete Ziele – wie zum Beispiel der  venezianische Kaufmann Marco Polo. Ihn interessierten in erster Linie wirtschaftliche Gesichtspunkte, als er die größte Reise des 13. Jahrhunderts unternahm.

Schon vor ihren Expeditionen, die weit über das Normalmaß von Reisen dieser Zeit hinausreichten, hatten Marco Polo und seine Familie aus Venedig ein weites Netz von Mittelmeerhäfen kontrolliert. Später dehnten sie ihre Interessensphäre bis in den fernen Osten aus, trotzten dabei Naturgewalten, Stürmen, Erdbeben und Kriegen. Nach 24 Jahren kehrte Marco Polo schließlich wieder aus dem Land der aufgehenden Sonne zurück – voller Eindrücke von einer Hochkultur, wie sie die Europäer damals noch nicht erfahren hatten.

… während wissenschaftliche Erkenntnisse Beiwerk waren

Die Entdecker früherer Jahrhunderte lockten Ruhmsucht in die Ferne, missionarischer Eifer, Reichtum und Imperialismus. Wissenschaftliche Erkenntnisse waren dabei meist nur ein Nebeneffekt. Und doch bewiesen die Reisen von Columbus, Ferdinand Magellan und Francis Drake zum Beispiel, dass die Erde keine Kugel war. Captain James Cook wiederum zerstörte den Mythos eines riesigen Südkontinents.

Viele berühmte Entdecker ließen auf ihren Reisen aber auch ihr Leben. Cook wurde auf Hawaii niedergestochen, der italienische Entdecker Giovanni da Verrazzano von Kannibalen verspeist, Polarforscher John Franklin erfror mit seinen Mannen im arktischen Eis und erfuhr damit ein ähnliches Schicksal wie auf der anderen Seite der Erde Captain Scott, der mit seiner Mannschaft in den Weiten der Antarktis ums Leben kam.

Knallharter Konkurrenzkampf

Ob eine Expedition in der Geschichte erfolgreich verlief, hing jedoch nicht nur von den äußeren Einflüssen ab, sondern vor allem auch von den Entdeckern selbst. Mut, Entschlossenheit und Intelligenz gehörten als wichtige Charaktereigenschaften dabei genauso dazu wie Brutalität, Habgier und Besessenheit. Oftmals gestalteten sich die Expeditionen zu wahren Wettkämpfen, und unter den Forschern herrschte ein knallharter Konkurrenzkampf. Die britischen Entdecker Burton und Speke wurden über die Frage, wer von beiden die Ursprünge des Nil gefunden hatte, zu erbitterten Feinden.

Oft genug wurden aus den Pionieren Eroberer, die Völker ins Unglück stürzten, Krankheiten und Kriege brachten und für den Untergang ganzer Kulturen verantwortlich waren. Getrieben von der Gier nach Gold löschte Francisco Pizarro das Reich der Inka aus. Hernán Cortes zerstörte in Mexiko die Hochkultur der Azteken. Der Expedition durch die Rocky Mountains bis an den Pazifik durch Lewis und Clark Anfang des 19. Jahrhunderts folgte die Vernichtung und Unterwerfung der letzten nordamerikanischen Urvölker.

Auch die heutige Welt birgt noch Geheimnisse

Doch es gab auch Entdecker wie Alexander von Humboldt und Heinrich Barth, denen es nicht um territoriale Expansion, materielle Güter oder Missionierung ging, sondern um die Wissenschaft. Barth, deutscher Afrikaforscher, verkleidete sich als Beduine und legte Mitte des 19. Jahrhunderts 20.000 Kilometer in der Sahara zurück. Dem unermüdlichen Entdeckerdrang einzelner verdankt die Wissenschaft und damit auch die Gesellschaft große Erfolge und revolutionäre Fortschritte, wie zum Beispiel in der Evolutionsforschung, Astronomie oder Tiefseeforschung.

Heute ist es vor allem die Abenteuerlust und der Reiz des Nervenkitzels, die Reisende in extreme Regionen treiben – gern von Kameras begleitet und im Internet zur Schau gestellt.  Doch auch für Forscher gibt es noch mehr zu entdecken als viele glauben. Die Tiefen der Ozeane sind weniger erforscht als die Oberfläche des Mars.  Jedes Jahr werden neue Tierarten entdeckt, stoßen Wissenschaftler sogar auf tief im Dschungel verborgene Völker. Abenteurer und Pioniere machen auch in unserer Zeit immer wieder auf sich aufmerksam, weil sie wie Steve Fossett mit einem Heißluftballon die Erde umrundeten, wie der Norweger Thor Heyerdahl mit einem Floß über die Meere segelten – oder wie Felix Baumgartner aus einer Raumkapsel zur Erde springen.

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